Eine schwarzhumorige Fortsetzung
Nachdem Oberst Benedikt Kordesch die Morde am schönen Millstättersee aufgeklärt hat, ist er für die Oberstaatsanwältin Wiltrud Krakauer ein As im Ärmel, wenn es darum geht, heikle Ermittlungen, die bis in die hohe Politik reichen, durchzuführen. Ein solcher Fall bringt ihn nun nach Oberösterreich. Bernhard Kolin, Geschäftsführer der "Sonne", der auflagenstärksten Zeitung Österreichs, ist ermordet worden. Wenig später ist auch seine Mutter tot. Der Verdächtigen gibt es viele, doch scheint es dem Patriarchen der Familie, der die Geschicke der Zeitung nach wie vor mit eiserner Hand führt, nicht so richtig daran gelegen zu sein, dass die Morde aufgeklärt werden. Der Tod seines Sohnes wird kurzerhand als Bergunfall deklariert und Kordesch bei jeder Gelegenheit an seinen Ermittlungen gehindert, die er, auf Befehl der Oberstaatsanwältin, zu allem Überdruss streng geheim und alleine durchzuführen hat. Dass ihn zahlreiche befragte Personen nicht die ganze oder überhaupt die Wahrheit sagen, macht die Arbeit für Oberst Kordesch nicht einfacher. Das Motiv scheint ein Gerangel um die Führung der Zeitung zu sein. Doch stimmt das? Und welches Geheimnis verbirgt die umtriebige Pensionsbesitzerin, die allen und jedem hinterher schnüffelt wie eine weiland eine Blockwartin? Meine Meinung: Ich mag Krimis, die mehr oder weniger deutliche Anspielungen auf Österreichs Gesellschaft, die häufig mit der Politik verbandelt ist. So fallen hier sofort deutliche Parallelen zu Namen und Ereignissen auf. Bei der Oberstaatsanwältin Wiltrud Krakauer hat Simon Ammer, hinter dem Namen versteckt sich niemand anderer als Daniel Wisser, nicht die gleichnamige Wurst, sondern jenen Oberstaatsanwalt, der seinerzeit den Skandal rund um eine ehemalige Gewerkschaftsbank geleitet hat, im Sinn. Zudem gibt es für die Zeitung eine reale Entsprechung. Gut, der Kriminalfall ist fiktiv. Jedenfalls lebt diese Reihe (es gibt inzwischen drei Krimis) vor allem von der Figur des Benedikt Kordesch, einem Mann mit zahlreichen Schwächen. Eine davon ist die Angst ein Auto zu lenken, was nach einem Unfall, bei dem ein Kind getötet worden ist, durchaus gerechtfertigt ist. Und genau hier muss ich eine Kritik anbringen: Am Ende des Vorgängers ("Das Paradies war früher schöner") setzt sich Kordesch ins Auto und fährt, ohne Probleme, rund 3.300 km vom Millstättersee durch die Schluchten des Balkans bis nach Georgien (und wieder retour), um die misshandelte Servierkraft nach Hause zu bringen. Nun, hier in Oberösterreich hat er wieder Probleme ein Auto zu lenken. Das passt irgendwie nicht zusammen. Sorry, als Serienjunkie fallen mir solche Unstimmigkeiten auf. Auch seine chronische Gastritis, die er wie eine alte Freundin pflegt, tritt wieder auf, obwohl er sie schon überwunden geglaubt hat. Liegt es vielleicht an seiner Einsamkeit? Doch der scheint hier im zweiten Fall Abhilfe geschafft zu werden, taucht doch mit Franziska eine Frau auf, die Kordesch aus der Reserve locken könnte. Sprachlich ist dieser Krimi ein Genuss. Zahlreiche Wiener Ausdrücke finden Eingang in die Dialoge. Keine Angst, am Ende gibt es ein Glossar, das Erklärungen anbietet. Schmunzeln musste ich über zahlreiche Wortschöpfungen, von denen "Globulisierungsgegner" nur eine davon ist, die genau gelesen werden müssen. Wer nun aber glaubt, es hier mit einer Cosy-Krimi der leichten Muse zu tun zu haben, wird eines besseren belehrt. Die Verstrickung von Medien und Politik, Vertuschung und Aufblähung - je nach dem wie es der Politik bzw. der Auflage nützt, sind ernste Themen, die in dieser Krimi-Reihe behandelt werden. Fazit:Gerne gebe ich diesem Krimi, der mit pointierten Dialogen und fesselnder Polizeiarbeit sowie schwarzem Humor aufwartet, trotz der Unstimmigkeit wegen des Autofahrens, 5 Sterne.