historisch, spannend, großartig
Ich habe bereits einige Bücher von Jodi Picoult gelesen und war immer sehr begeistert. Dieses hier ist mal ein ganz anderer Roman - hat er mich auch abgeholt: JA und wie!Habt ich schon mal davon gehört oder darüber gelesen, dass William Shakespeare seine Stücke gar nicht selbst geschrieben hat? Darum geht es in diesem Buch und um eine sehr starke Frau, die im 17. Jahrhundert ihren eigenen Weg geht und um die (heute immer noch bestehenden) Unterschiede zwischen Frau und Mann in der Welt der Bühne.Emilia Lanier, geb. Bassano, wurde 1569 in eine jüdische Hofmusiker-Familie niedrigem Standes hinein geboren. Neben der Musik gilt das Schreiben zu Ihrer großen Leidenschaft, was zur damaligen Zeit nur den Herren vorbehalten war. Auch auf der Bühne standen nur Männer - auch in Frauenrollen."Männer gingen davon aus, dass Frauen dafür ausersehen warn, sich an den Rändern ihres Lebens zu bewegen, anstatt die Hauptrollen in ihrem eigen Geschichten zu spielen. Aber warum sollte Gott ihr eine Stimme gegeben haben, wenn nicht vorgesehen war, dass sie diese auch benutzte?" (Seite 140).Früh wurde Emilia die Kurtisane von Lord Hunsdon, der Königin Elisabeth diente und u. a. Die ihm eingereichten Theaterstücke prüfte, überarbeitete oder ablehnte. Lord Hunsdon war gut zu Emilia und sie durfte ebenfalls diese Stücke lesen. Hierbei las sie zum ersten mal ein Stück von Shakespeare, welches sie für absolut misslungen hielt.Außerdem lernt Emilia den Earl of Southhampton, Henry Wriothesley, ihre große Liebe kennen. Eine Liebe, die nicht sein durfte.Als Emilia schwanger wird, endet das Arrangement mit dem Lord Hundson und sie wird mit dem Hofmusiker Alfonso Lanier verheiratet, der säuft, sie erniedrigt und sie verprügelt. Es folgen wirklich schlimmer Jahre. Um über die Runden zu kommen, nimmt Emilia Kontakt zu Shakespeare auf und verkauft ihm im Laufe der Jahre ihre Werke, die er unter seinem Namen veröffentlicht und ein "Star" wird.In den Teilen dieses Romans, die in der heutigen Zeit spielen, geht es um Melina, einer Nachfahrin von Emilia, die ein Stück über diese geschrieben hat. Dieser Teil ist natürlich rein fiktiv, hatte für mich auch nicht den großen Stellenwert beim Lesen, zeigt aber doch die noch heute bestehenden Ungleichheiten zwischen Mann und Frau, schwarz und weiß, etc. auf.Jodi Picoult schreibt diesen Roman so spannend und real (wie man es von ihr kennt). Man spürt regelrecht die hervorragende Recherche. Dies wird auch nochmals in ihrem Nachwort klar. Hier stellt Picoult dar, wie sie ihre historische Geschichte belegt und sogar die Archivare des Victoria an Albert Museums zu neuen Erkenntnissen bringt. Höchst spannend!Auch Historiker gehen heute davon aus, dass Shakespeare seine Stücke nicht selbst, sondern von einer Gruppe von Dichtern geschrieben wurden. Ob Emilia ein Teil dieser Gruppe war, lässt sich nur bedingt belegen, aber es liegt sehr nahe.Dieser Roman war ein hervorragender Abschluss meines Lesejahres 2025 und ich kann meiner Rezi nur noch eins hinzufügen: #lesenmachtschlau Große Leseempfehlung!