Das Cover zeigt einen bestechend schönen englischen Landsitz, und schon weiß man als Leser, dass es in diesem Roman um eine Familiengeschichte geht, um Reichtum, um Traditionen, Geschichte und auch um Standesbewusstsein.
Auf diesem Landsitz treffen sich die drei Kinder des verstorbenen Patriarchen. Ihr Treffen dient nicht nur der Totenfeier, sondern in erster Linie der Aufarbeitung ihrer konfliktreichen Vergangenheit. Zwei der Geschwister werden dabei zu Gegenspielern: Frannie und Milo. Frannie ist Alleinerbin des Anwesens und der riesigen Ländereien. Sie denkt ökologisch und will das Land renaturieren, um auch den folgenden Generationen ein Leben in einer weitgehend intakten Natur zu ermöglichen. Ihr Bruder Milo dagegen denkt wirtschaftlich: er will neben dem Herrenhaus eine Art Klinik bauen, in der mit psychedelischen Rauschzuständen ein elitäres Klientel behandelt werden soll. Ein Freizeitpark für solvente Fünfzigplusler.
Die Konflikte der Geschwister bleiben jedoch blass und oberflächlich. Vermutlich sollten sie durch das Aufdecken eines alten Geheimnisses und einer alten Schuld befeuert werden? Das gelingt jedoch nicht. Die Konflikte werden nicht in der Tiefe ausgelotet, und das alte Geheimnis bringt auch keine neuen Tatsachen ans Licht, sondern besteht lediglich aus bekannten Fakten aus der kolonialen Vergangenheit des Landes. Die Fakten sind bekannt und zudem sehr gut dokumentiert, allerdings stellt sich der britische Großgrundbesitz diesen Fakten mit unterschiedlicher Intensität. Es gelingt der Autorin nicht, diese historischen Tatsachen mit den Geschwister- und sonstigen Konflikten zu einem spannenden und emotional packenden Familienroman zu verflechten.
Dazu tragen auch die oft klischeehaften und rührseligen Szenen bei, die keine Konfliktlösungen bringen. Die Emotionalisierung des Lesers ist der Autorin sichtlich ein besonderes Anliegen, aber sie gibt sich mit Rührseligkeit zufrieden und schafft damit keine emotionale Tiefe, die der Plot jedoch hergegeben hätte. Immer wieder rutscht sie in Trivialität und Kitsch ab, wenn sie z. B. die Braut die uralte Kirche betreten lässt, um mit ihrem Schicksal vermählt zu werden, um dann in den Fluss der Zeit zu tauchen und sich damit zu salben. Umso erstaunlicher ist es, dass in diesem Roman das Wort Sch... in fast jedermanns Mund ist.
Fazit: Wer einen gefühlvollen Familienroman lesen will und sich von den obigen Mängeln nicht abschrecken lässt, der ist mit diesem Roman gut beraten.