Eine etwas andere Haunted House Geschichte
Margaret und ihr Mann Hal erfüllen sich den Traum vom eigenen Heim: eine prachtvolle viktorianische Villa, die all ihre Wünsche wahr werden lässt. Wäre da nicht der September, jener Monat, in dem die Wände bluten, Schreie durch die Gänge hallen und entstellte Geister erscheinen. Während Hal zunehmend verzweifelt, weigert sich Margaret, ihr Haus aufzugeben. Sie arrangiert sich mit den Geistern, fast so, als gehörten sie zur Familie. Doch eines Tages ist Hal verschwunden und mit dem September bricht das Grauen von Neuem los.Was zunächst wie ein typischer Haunted-House-Plot klingt, entwickelt sich bald zu etwas ganz anderem. Die Autorin spielt gekonnt mit Genre-Erwartungen. Statt reiner Schockeffekte erhält man eine Geschichte, die zwischen schwarzem Humor, Psychodrama und echtem Horror wechselt. Der Ton ist oft augenzwinkernd und schon der erste Satz ("Die Wände des Hauses bluteten wieder. Damit musste man natürlich rechnen, es war schließlich September.") zeigt, dass hier mit Ironie gearbeitet wird. Doch hinter der humorvollen Fassade lauern Gewalt, Verzweiflung und seelische Abgründe.Besonders spannend ist die Erzählstruktur. Man steigt im vierten Jahr des Spuks ein und erfährt das Vergangene erst nach und nach in Rückblicken. Dadurch bleibt die Geschichte dynamisch und rätselhaft, bis man schließlich selbst nicht mehr weiß, was real ist und was Wahn. Die Wendungen sind gut gesetzt und führen dazu, dass man ständig seine eigenen Annahmen über das Haus, über Hal und über Margaret selbst hinterfragt.Die Geister sind nicht bloß harmlose Erscheinungen, sondern brutal und erschütternd dargestellt. Manche von ihnen sind Kinder, andere tragen die Spuren grausamer Tode. Gleichzeitig gelingt es der Autorin, den Horror mit skurrilen, fast liebenswerten Momenten zu brechen: etwa wenn Haushälterin Fredricka ständig Möbel verrückt oder Geist Elias anfängt zu beißen, wenn man ihm zu nahe kommt.Im Kern erzählt Das Septemberhaus aber auch von psychischer Belastung, von häuslicher Gewalt und davon, wie Menschen versuchen, Kontrolle zu behalten, während alles um sie herum zerfällt. Diese Themen verleihen dem Buch eine emotionale Tiefe, die über den üblichen Grusel hinausgeht.Zwar wirkt der finale Showdown etwas zu lang geraten und das Ende fast zu versöhnlich, doch das schmälert den Gesamteindruck kaum. Der Roman bleibt unterhaltsam, ungewöhnlich und klug konstruiert. Eine gelungene Mischung aus Horror und Humor, die einen noch lange beschäftigt.