Bailey ist eine talentierte Schneiderin die davon träumt auch eigene Entwürfe anzufertigen. Als schwarze Schneiderin, 1954 in Oklahoma ist das nicht gerade einfach.
Sie arbeitet im lokalen Braut- & Abendmodegeschäft. Da sie die Gabe der zweiten Sicht besitzt, sieht sie deren Wünsche und Ängste, Dinge aus der Vergangenheit und der Zukunft, sobald sie jemanden berührt. Als sie eine der Bräute ansprach und diese Gabe offenbarte, kommt nun manch eine Dame der besseren Gesellschaft in den Laden und bittet Bailey um Rat.
So auch die Tochter des reichsten Ölbarons der Stadt. Bei Elsa offenbart sich ein Geheimnis mit dem Bailey nicht gerechnet hätte und es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen diesen jungen Frauen.
Als ein Mann ermordet wird und Elsa verhaftet wird ringt Bailey mit sich, ob sie offenbaren muss, was sie sah und wie sie Elsa helfen kann.
4,5 Sterne und ich runden auf 5 auf.
Für mich ein wirklich toller Roman! Mir gefallen sowohl der Schreibstil und die Erzählweise der Autorin, wie auch die Handlung, die ich gut umgesetzt finde.
Den Zeitgeist der 50er, finde ich sehr gut umgesetzt. Die Rolle der Frauen damals aber auch immer noch die Klassenunterschiede zwischen Hautfarben finde ich gut umgesetzt.
All die Geheimnisse, die wahren Gefühle, die hinter den Masken vom falschen Lächeln hier zur Schau getragen werden, fand ich toll beschrieben.
Bailey hat mir unglaublich gut gefallen. Wie sie sich selbst auch Couturiére nennt und ihr bewusst ist wie begabt sie ist fand ich sehr schön erzählt. Ihr ist bewusst, wie schwer man es mit ihrer Hautfarbe hat, trotzdem versucht sie ihren Weg zu gehen. Wie hilfsbereit sie ist, wie sehr sie sich um andere Menschen sorgt und ihnen durch ihre Gabe zur Seite steht fand ich wunderbar geschrieben.
Auch wie sie mit der Gabe und was sie sieht teilweise hadert ist für mich verständlich. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Gabe haben wollte.
Elsa ist so wunderbar anders, als die Damen der weißen Oberschicht. Daher hat sie es aber auch unglaublich schwer und was wir im Laufe der Geschichte erfahren hätte ich so anfangs nicht erwartet.
Auch alle anderen Charaktere finde ich unglaublich gelungen.
Mir gefällt, wie sich manch eine weibliche Figur hier im Laufe der Handlung ändert, ihre Stimme findet und für sich einsteht.
Der Mord ist nicht das Fokusthema hier. Langsam bewegen wir uns auf diese Ereignis zu, erfahren wie die Protagonisten in den unterschiedlichsten Beziehungen zueinander stehen und wie es dazu kam.
Etwas Abzug gibt es von mir, da mir das Ende dann doch zu vorhersehbar war, unterschiedliche Themen dann ohne Probleme ihren Weg gefunden haben. Egal wie schön das ist und man sich es auch wünscht, ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der damaligen Zeit dann doch so einfach war.
Für mich eine Geschichte mit viel mehr Tiefe, als ich dachte.
Wen diese Themen interessieren bzw. nicht abschrecken, sollte sich den Roman auf jeden Fall mal anschauen.