¿Lasst mich bitte damit anfangen, dass dieses Buch fiktionalisiert is, aber nichts an dieser Geschichte fiktiv ist¿ - Basma Hallak
Immer auf der Suche, nach Büchern die bleiben - das ist eins davon.Was passiert mit Kindern, deren Eltern ihr ganzes Leben mit der Öffentlichkeit teilen? Was macht das mit ihnen? Fragen, die man sich nicht wirklich stellt, weil man vermutlich nicht so tief darüber nachgedacht hat.Im Roman Please Unfollow zeigt Basma Hallak dem Leser genau das - und zwar auf eine sehr durchdachte, teils schonungslose Weise.Das Buch beginnt, als die fast 18-jährige Sherry aus einer Art Jugendarrest in eine Wohngruppe gebracht wird, in der vier weitere Jugendliche leben, die ebenfalls schon straffällig geworden sind. Hier lernt sie Stück für Stück eine ganz normale Jugend kennen - abseits von Social Media, abseits von Followern und ihren Eltern. Was genau vorgefallen ist, erfahren wir zunächst nicht. Jedoch bekommen wir in Rückblicken immer wieder Einblicke in die YouTube-Videos, die die Eltern mit Sherry gedreht haben. Dabei wird erschreckend klar, dass das rein gar nichts mit einer selbstbestimmten Kindheit zu tun hatte. Alles war öffentlich. Nicht nur der erste Zahn oder das erste Wort, sondern auch Dinge, die selbstverständlich privat sein sollten. Aber das sind sie nicht. Jeder kann alles sehen, und je älter Sherry wird, desto mehr wird ihr klar, dass nichts daran normal ist...Gespickt sind diese Rückblicke mit Kommentaren unter den Videos, die authentisch in alle Richtungen gehen: von fanatischen Fans über Übergriffigkeit und Hate bis hin zu leider auch sehr sexualisierten Kommentaren. Dass das nur die Spitze des Eisbergs dessen ist, was real jeden Tag geschrieben wird, wird einem beim Lesen dann schlagartig bewusst...Ich bin der Meinung, jeder, der Social Media konsumiert, sollte dieses Buch lesen. Es regt definitiv zum Nachdenken an. Denn an vielen Orten leben echte Sherrys.Was mir beim Lesen ebenfalls gut gefallen hat, war Sherrys Geschichte in der Gegenwart. Das ist tatsächlich ein sehr schöner Jugendroman.Ich wünschte, dieses Buch hätte es schon gegeben, bevor ich Mutter war. Denn während der Familienplanung und in der ersten unsicheren Zeit als Mutter habe ich viele Familienblogger "begleitet" - aus Neugier und um mich zu informieren. Dass es aber durchaus auch guten, informativen Familien-Content gibt, ohne die Kinder dabei mit hineinzuziehen, wusste ich vor ein paar Jahren noch nicht.Ich hoffe, dass mit diesem Buch die Awareness noch weiter steigt, dass Kinder im Internet einfach nichts verloren haben und dass es Eltern untersagt werden sollte, Kinder öffentlich zu präsentieren - und noch schlimmer: damit Geld zu verdienen.