Mord auf zehn Seiten und keiner kommt von der Insel
Eine abgelegene Insel, ein merkwürdiges Haus mit zehn Seiten und eine Gruppe Studenten, die glauben, sie wären schlauer als jeder Täter. Klingt nach einem gemütlichen Krimi Wochenende. Fühlt sich aber schon nach wenigen Seiten eher an wie ein Spiel, bei dem man plötzlich merkt, dass jemand die Regeln verändert hat.Das Dekagon Haus selbst ist dabei der heimliche Star. Jeder Raum wirkt wie ein Puzzle, jede Bewegung der Figuren wie ein Schachzug. Während draußen das Meer rauscht, sitzt man innerlich schon mit Notizzettel da und versucht, alle Hinweise zusammenzuklauben. Und genau da packt das Buch. Dieses ständige Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, wächst mit jeder Seite.Die Studenten bleiben bewusst ein wenig auf Distanz, was erst ungewohnt wirkt. Doch genau das verstärkt die klassische Detektivclub Stimmung. Jeder könnte es sein. Jeder hat ein Motiv. Und plötzlich misstraut man sogar den harmlosesten Dialogen. Kleine Bemerkungen fühlen sich an wie versteckte Fallen.Richtig stark ist das Tempo. Kein Actionfeuerwerk, sondern ein ruhiger Aufbau, der langsam Druck erzeugt. Wie ein Raum, in dem die Luft immer dünner wird. Und dann kommt dieser Moment, in dem alles kippt. Gedanken rasen, man blättert zurück, prüft Hinweise und merkt, dass man elegant aufs Glatteis geführt wurde.Am Ende bleibt dieses breite Grinsen. Weil man sich erwischt fühlt. Weil das Rätsel fair war. Und weil dieser moderne Klassiker zeigt, wie viel Spaß ein clever gebauter Mordfall machen kann, wenn er ohne Schnickschnack auskommt und einfach nur verdammt gut konstruiert ist.