Leicht zu lesender Schreibstil, jedoch das Geschehen bleibt oberflächlich, flüchtig, abgedreht, Charaktere ohne Substanz - Gewaltspektakel!
Wenn ich mir die Statistik zu den Rezensionen zum Nachbarn anschaue, gehöre ich zu den wenigen LeserInnen, die diese Story nicht so prickelnd finden. Ich kann den Hype um Sebastian Fitzek leider nicht nachvollziehen, obwohl ich Thrillerfan bin. DER NACHBAR wurde als raffinierter Gänsehaut-Thriller für 2025 angekündigt, ein nervenzerreißender Psychothriller, der für unruhige Nächte sorgt. Das muss dann jeder für sich herausfinden, ob das stimmt oder nicht.Kurz zur Handlung: Die Hauptperson heißt Sarah Wolff und war eine gute Strafverteidigerin bis sie mit den Taten ihres Exmannes unmittelbar konfrontiert wird. Er, ein Psychologe(!) stellte sich als gesuchter Serientäter heraus, der Säure in Kinderwagen schüttete. Nach seiner Verurteilung zieht Sarah mit ihrer Tochter Ruby von Frankfurt/Main an den Stadtrand Berlins in eine ruhige gut bürgerliche Gegend. Eigentlich weit genug weg. Aber ihr unsichtbarer, geheimnisvoller Nachbar überwacht/beschützt sie rund um die Uhr. Es geschehen in ihrem Umfeld zunächst merkwürdige, jedoch harmlose Dinge, aber dann beginnt das Grauen...Das Buch besteht aus 367 Seiten mit 83 kurzen Kapiteln, Prolog, Epilog und schlussendlich den Anmerkungen des Autors. Was mir gut gefällt, ist sein lockerer, leicht zu lesender Schreibstil und sein Vermögen Spannung zu erzeugen. Leider erlangt er damit für meinen Geschmack nicht die erforderliche Tiefe. Er behauptet, schildert Dinge, die eigentlich irgendwann einer Erläuterung bedürfen, um glaubhaft rüberzukommen. Das Geschehen bleibt oberflächlich, zu flüchtig und auch den Charakteren fehlt es an Substanz. Der Autor setzt wiederholt auf gruselige Effekte und bewirkt ein brutales Gewaltspektakel. Er überzieht! Emotionen bleiben auf der Strecke. Sie haben für die Handlung überhaupt keine Bedeutung.Jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger. Das ist zuviel und geht auf Kosten der Glaubwürdigkeit und Realität der Story. Ich wurde immer skeptischer und auch genervter. Sowas Abgedrehtes. Wer ist nur dieser Nachbar, der omnipräsent ist. Was für ein gewaltiger Schatten und immer rechtzeitig zur Stelle! Der Nachbar ist überall - ein Phantom - allmächtig. Besonders krass fand ich die Szenen um Eddy, den Polizisten. Da wurde es zum Ende auch noch zombiehaft und echt der Horror.Der Schluss ist auch nochmal unwirklich. Den Epilog habe ich gar nicht verstanden und zu Interpretationen fehlt mir die Lust. In meinen Augen war dieser Abspann unnötig. Gut zu lesen waren dann noch Fitzeks Anmerkungen zum Buch und seine Danksagung, so dass ich noch mit zwei Sternen bewerten kann. Ich kann diesem Thriller leider nicht meine Empfehlung geben.