Dahinplätschernde Idylle: Warum die Bücherküche enttäuscht
"Yu-Jins Bücherküche der großen Träume" der Autorin Jee-Hye Kim, erzählt von Yu¿jin, die ihr arbeitszentriertes Leben in Seoul hinter sich lässt, um im idyllischen Dorf Soyangri ein Buchcafé mit Pension zu eröffnen, in dem Bücher, Essen und Begegnungen Menschen Trost und neue Perspektiven schenken. Die Autorin, die selbst ihren Firmenjob während Corona aufgegeben hat, verarbeitet darin offensichtlich den Wunsch nach Ausstieg aus dem Hamsterrad und glaubt sichtbar an die heilende Kraft von Literatur und mutigen Neuanfängen.Trotz dieses schönen Ansatzes wirkt der Roman insgesamt sehr vorhersehbar: Die Figuren bringen alle eine Krise mit, finden in der Bücherküche relativ reibungslos Ruhe und Orientierung, und echte Konflikte oder Überraschungen bleiben rar, sodass die Handlung eher dahinplätschert. Auch der Stil ist für einen Wohlfühlroman auffallend blumig; Naturbilder, Düfte und poetische Metaphern werden so häufig bemüht, dass sie ihre besondere Wirkung verlieren und stellenweise fast kitschig wirken. Die Figuren bleiben zudem recht typisiert: gestresste Berufstätige, ein Star in der Identitätskrise, eine Frau mit schwieriger Diagnose - alle finden genau das, was sie brauchen, ohne dass ihre Entwicklung wirklich in die Tiefe geht.Ich hätte mir gewünscht, dass mehr auf Buchempfehlungen eingegangen wird und auch koreanische Rezepte hätten dem Titel mehr gerecht werden können.Wer sanfte, sehr langsame Geschichten mit viel Landschafts- und Stimmungsbeschreibung liebt, kann in diesem Wohlfühlrahmen sicher auf seine Kosten kommen. Wenn man sich jedoch mehr erzählerische Spannung, klarere Figurenzeichnung und weniger ausgeschmückte Sprache wünscht, wirkt der Roman schnell zu fad.