Zwischen Mett Igel, Hausfluren und schrägen Nachbarn fängt der Roman das Ruhrgebiet der Achtziger unglaublich authentisch ein.
Ich bin 1984 in der Pfalz geboren, nicht ganz der Ruhrpott, aber immerhin die Achtziger. Schnittchenplatten, neugierige Nachbarn, Mett-Igel und Spargelröllchen. Yeah! ¿Da passt ein Wellensittich namens Hubsi zum Protagonisten von @ Roman Manfred aus Dortmund wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.Manfred lebt am liebsten möglichst unauffällig. Sein Alltag ist geregelt, ruhig und vorhersehbar. Dann zieht Grit ins Haus ein und plötzlich gerät alles durcheinander. Mit ihr kommen die Möpsin Gisela, jede Menge Chaos und Luigi, ihr Ex-Verlobter, der sich nicht damit abfinden will, dass Grit ohne ihn weitermacht. Für Manfred wird das schnell unangenehm, weil Luigi in ihm sofort einen Rivalen sieht und durchaus weiß, wie man seine Stellung behauptet.Luigi fand ich etwas schwieriger. Er bringt zwar Spannung in die Handlung, bleibt für mich aber ab und an zu sehr auf seine Rolle als Störenfried festgelegt. Da hatten andere Figuren mehr Zwischentöne. Abgesehen von ihm, ist die Darstellung aller Figuren, über die sich weder Autorin noch Lesende (ich jedenfalls nicht) lustig machen, obwohl viele Situationen komplett eskalieren, extrem tiefgründig und authentisch gelungen. Hinter dem Humor der Hausbewohner steckt oft Einsamkeit, Unsicherheit und Menschen, die eigentlich nur Anschluss suchen. Gerade Manfred entwickelt sich dabei sehr realistisch. Er ist kein plötzlicher Super-Hero, schlüpft in diese Rolle fast widerwillig, aber stetig. Er hat einfach keine Wahl, also greift er ein, als er muss. Dortmund 1983 war direkt greifbar. Nicht nostalgisch, sondern eben wie Arbeiteralltag in einem gewöhnlichen Wohnviertel des Ruhrgebiets. Hausflure, Fernseher, Bier und Nachbarn, mit all ihren Macken.Ein paar Längen hat das Buch für mich trotzdem. Aber dieses Abschweifen gehört doch irgendwie dazu. Man begleitet diese Hausgemeinschaft weniger wegen großer Spannung, sondern weil man immer tiefer in deren Leben eintaucht und sie besser kennenlernt. Am Ende fühle ich mit diesen Figuren, die nach außen oft seltsam wirken, hinter ihrer Art aber viel mehr verbergen, als man zunächst denkt.Und solche Menschen gibt es nicht ausschließlich im Jahr 1983...