komplex, viele Figuren & Schauplätze - für mich teils unruhig & wenig Lokalkolorit - nuschelnde Charaktere - Siezende Ermittler -
Mit Endstation Fichtelgebirge legt Jacqueline Lochmüller einen weiteren Regionalkrimi vor, erschienen im Emons Verlag. Leider konnte mich dieser Band nur bedingt überzeugen.Der Einstieg ist zwar nicht langweilig, aber ich hätte mir dringend ein Personenverzeichnis gewünscht. Es tauchen unglaublich viele Figuren in kurzen, wechselnden Handlungssträngen auf, sodass es lange dauert, bis man halbwegs sortiert hat, wer eigentlich wer ist - und wer welchen "Dreck am Stecken" hat. Gefühlt hat beinahe jede Figur ihre dunklen Geheimnisse. Dieses permanente Springen zwischen den Perspektiven und die vielen kurzen Kapitel haben bei mir eher für Verwirrung als für Spannung gesorgt.Was mich besonders gestört hat: In diesem Buch nuscheln gefühlt unheimlich viele Personen. Das zieht sich durch die gesamte Handlung und wurde für mich mit der Zeit richtig anstrengend. Auch die Dialoge der beiden Ermittler haben mich irritiert. Sie bleiben beim förmlichen "Sie". Dadurch entstehen immer wieder steife Begrüßungsszenen mit "Herr Breuer" und "Frau Herbich", die auf Dauer eher befremdlich als authentisch wirken. Und wenn dann Frau Herbich mal ans Du denkt, wird das einfach wieder abgeblasen.Der Altenpfleger war für mich eine der wenigen Figuren, mit denen ich wirklich mitgefühlt habe. Er stolpert von einem Schlamassel ins nächste - man leidet fast durchgehend mit ihm. Allerdings gab es auch hier Unplausibilitäten: Sein verletzter Fuß scheint nach einem Tag plötzlich wieder so in Ordnung zu sein, dass er arbeiten kann. Ebenso wenig nachvollziehbar war für mich, warum er das hochgradig traumatisierte Kind nicht sofort mitgenommen hat. Das Kind spricht kaum, ist sichtlich belastet, und die Balkontür lässt sich nicht einmal richtig schließen - das hat mich ehrlich gesagt ziemlich geärgert. Natürlich, dramaturgisch wäre der Krimi sonst schneller vorbei gewesen, aber es wirkte konstruiert. Vor allem, das Kind hat nicht wirklich begriffen, was es getan hat. Auch die Vielzahl an Schauplätzen hat mich eher ermüdet. Die Figuren sind gefühlt überall in Süddeutschland unterwegs, doch echtes Lokalkolorit wollte bei mir nicht aufkommen. Einige Szenen - etwa rund um die Bäckerei - erschienen mir zudem nicht immer ganz plausibel.Insgesamt hatte ich oft das Gefühl, mich in einem großen Durcheinander zurechtfinden zu müssen. Trotz aller Kritikpunkte habe ich das Buch zwar zu Ende gelesen, aber wirklich gepackt hat es mich nicht.FazitEin Krimi mit interessanten Ansätzen und einzelnen berührenden Figuren, der jedoch unter zu vielen Handlungssträngen, überladenen Ortswechseln und teilweise unplausiblen Entwicklungen leidet. Die häufig nuschelnden Figuren und die steifen Dialoge haben mein Lesevergnügen zusätzlich geschmälert.Sagen wir so: Das wird nicht meine Lieblingsemonsserie.