Cover & Klappentext
Normalerweise tue ich mich immer etwas schwer, wenn mir die Optik der Protagonisten vorgegeben wird. Hier ist das aufgrund der kunstvollen Darstellung weniger der Fall. Zudem besitzt dieses Cover eine beeindruckende Kraft, die mich sofort angezogen hat.
Der Klappentext wiederum hat meinen ersten Eindruck untermauert, sodass ich unmöglich widerstehen konnte, dieses Buch zu lesen.
Meinung
Der Krieg zwischen Menschen und Dämonen in Europa erstreckt sich seit über einem Jahrhundert, und ein Ende ist nicht in Sicht. In diesen Wirren treffen Selene Alleva und Jules Lacroix aufeinander.
Als Exorzistin hat sich Selene einen Namen gemacht, während der Waisenjunge Jules als einfacher Soldat an der Front diente.
Auf der Suche nach Hintergründen über ihre Vergangenheit, kommen sie sich ungewollt und unerwartet näher. Doch die Antworten stellen alles infrage, was beide jemals gewusst haben.
Im Nachhinein kann ich nicht mehr sagen, warum ich mir unter der Geschichte etwas anderes vorgestellt habe, obwohl der Klappentext diesen Eindruck nicht vermittelt. Aber so war es. Dementsprechend musste ich mich umstellen, was für mich in der Regel kein Problem darstellt.
Hier jedoch hatte ich meine Schwierigkeiten, mich in die Handlung einzufinden.
Überwiegend aus der Sicht von Selene und Jules in der personalen Erzählperspektive wird man durch das Geschehen geführt. Der Einstieg verdeutlicht sofort die vorherrschende Gefühlslage. Es ist überwiegend düster. Hoffnung gibt es kaum.
Der Anfang wirkte auf mich sehr interessant, bedingt durch das Setting. Der Krieg zwischen Menschen und Dämonen spielt in Europa. Hier wurde keine komplett neue Welt erschaffen. Nur der Fantasy-Anteil wurde hinzugenommen.
Der Schreibstil unterstützt die Schwere, die zwischen den Zeilen mitschwingt.
Insgesamt hat er mir sehr zugesagt, aber ich stolperte regelmäßig in den Dialogen, weil für mich die Reaktionen nicht immer stimmig waren. Das hat sich durch die ganze Story gezogen.
Bei den Hauptprotagonisten wiederum ist die Autorin ein großes Risiko eingegangen. Geschichten funktionieren in der Regel über diverse Charaktere, mit denen man sich, zumindest teilweise, identifizieren kann. Bei Selene und Jules ist das schwierig, weil beide aus unterschiedlichen Gründen nicht allzu viel preisgeben. Das passt auch zu ihren Hintergründen, aber damit hat der Leser nur wenig Greifbares. Also konzentriert man sich mehr auf die Handlung. Die ist definitiv interessant, allerdings kommen die ein oder anderen Längen vor, bedingt durch Ausführungen, die man hätte reduzieren können. Im Allgemeinen wäre ein höheres Tempo günstiger gewesen.
Dafür brilliert die Story durch unvorhergesehene Wendungen und erstaunliche Erkenntnisse, die das Leben ändern, sodass die Hauptprotagonisten vieles infrage stellen und sich anpassen müssen, was eine Entwicklung fordert. Das ist gut gelungen und hat mir sehr gefallen.
Auch die Annäherung zwischen Selene und Jules wurde schön dargestellt. Sie kommt langsam und ist anfangs einfach nur unerwünscht von beiden Seiten. Die Zuneigung bringt deutlich mehr Emotionen in die Story, die anfangs etwas auf der Strecke blieben. Ab diesem Moment wirken beiden Hauptprotagonisten nahbarer.
Insgesamt ist Cruel is the Light Band 1 ein Roman, an dem man dranbleiben muss, um belohnt zu werden. Die Stärken der Geschichte kommen recht spät zum Tragen, was womöglich einige Leser dazu bringen könnte, vorzeitig abzubrechen.
Fazit
Der erste Band der Dilogie entführt in eine alternative Welt mit diversen Parallelen. Im Mittelpunkt stehen Selene und Jules, die vielleicht nicht sofort überzeugen, aber viel Potenzial mitbringen, bis man eine Verbindung aufbaut. Also dranbleiben.
Die Hintergründe sind düster und teilweise recht plastisch darstellt. Wer also für zum Teil brutale Szenen zu zartbesaitet ist, der sollte sich langsam rantasten.
Ich vergebe drei von fünf Sternen und eine Leseempfehlung.