The Scorpion and the Night Blossom hat mir den Einstieg definitiv nicht leicht gemacht. Vor allem die vielen asiatischen Namen haben meinen Lesefluss anfangs immer wieder unterbrochen und ich musste mich erst an die Begrifflichkeiten gewöhnen. Auch die Entscheidung, bei dem Monster konsequent den Artikel wegzulassen, hat mich beim Lesen häufiger aus dem Rhythmus gebracht. Gerade die ersten Kapitel erfordern deshalb etwas Geduld.Hat man diese Hürde jedoch überwunden, entfaltet sich eine unglaublich faszinierende und detailreiche Welt. Die Atmosphäre ist dicht, die Mythologie vielschichtig und die verschiedenen Reiche sowie ihre Hintergründe werden so lebendig beschrieben, dass ich mir alles wunderbar vorstellen konnte. Besonders Yu'Chen hat mich schnell neugierig gemacht. Seine Herkunft und die Geheimnisse, die er mit sich herumträgt, zeigen eindrucksvoll, wie tief Vorurteile und gesellschaftliche Konflikte in dieser Welt verwurzelt sind. Auch An'Ying konnte mich als Protagonistin überzeugen. Ihre Entwicklung, ihre Stärke und vor allem ihr außergewöhnliches Talent im Umgang mit den Messern haben mir unglaublich gut gefallen. Ein kleines Highlight war für mich außerdem das Fuchsmädchen.Mit jeder Seite wurde die Geschichte spannender. Nach den anfänglichen Startschwierigkeiten konnte mich der Plot richtig fesseln und ich wollte unbedingt wissen, welche Geheimnisse sich hinter An'Yings Vergangenheit verbergen. Die Fragen um ihren Vater, die rätselhaften Todesfälle und die Prüfungen sorgten dafür, dass ich ständig neue Theorien aufgestellt habe. Besonders gelungen fand ich auch An'Yings inneren Konflikt gegenüber Yu'Chen. Nach allem, was ihre Familie durch die Mo erlitten hat, sind ihre Vorbehalte absolut nachvollziehbar. Umso schöner war es zu beobachten, wie sie langsam beginnt, ihre eigenen Überzeugungen zu hinterfragen und ihm eine Chance zu geben.Das Finale hat schließlich noch einmal alles auf den Kopf gestellt. Plötzlich fügte sich ein Puzzleteil nach dem anderen zusammen und gleichzeitig wurden neue Fragen aufgeworfen. Yu'Chens wahre Rolle, die Enthüllungen über An'Yings Familie und die Geschichte ihrer Mutter haben der Handlung noch einmal enorm viel Tiefe verliehen. Besonders die Stärke und Liebe ihrer Ziehmutter haben mich sehr berührt.Insgesamt ist The Scorpion and the Night Blossom ein Fantasyroman, der etwas Eingewöhnungszeit verlangt, dafür aber mit einer komplexen Welt, spannenden Figuren und zahlreichen überraschenden Wendungen belohnt. Viele Antworten werden am Ende geliefert - gleichzeitig macht der Cliffhanger unglaublich neugierig auf die Fortsetzung. Band zwei wird bei mir definitiv einziehen.