Großartiges schwedisches Gebäck, die Safranbrötchen sind der Hit! Die herzhaften Gerichte sind mir eher zu einfach und deftig.
Viele kennen die gebürtige Schwarzwälderin Zora Klipp vielleicht als TV-Köchin. Ihr Koch- und Backbuch "Hej!" ist jedoch weit mehr als eine Sammlung schwedischer Rezepte: Es ist eine sehr persönliche Liebeserklärung an Schweden - an die Küche, das Land, die Menschen und die dort gepflegten Traditionen.Die Verbindung der Autorin zu Schweden reicht dabei schon einige Jahre zurück. Anfang zwanzig gönnte sich Klipp eine Auszeit von der stressigen Gastro-Berufswelt und ging als Au-pair nach Südschweden. Für "Hej!" ist sie Jahre später erneut nach Skandinavien gereist und hat ihre persönlichen Eindrücke und kulinarischen Entdeckungen in diesem Buch festgehalten.Die Rezepte sind in drei große Bereiche gegliedert: Vorspeisen und Snacks, Hauptgerichte und Einwecken sowie "Fika" - die schwedische Kunst der Kaffeepause. Gerade der letzte Abschnitt hat es mir besonders angetan, denn die süßen Rezepte treffen meinen Geschmack deutlich besser als manche der herzhaften Gerichte. Mein persönlicher Favorit sind "Lussekatter", die schwedischen Safranbrötchen: Sie sind einfach ein goldgelber Traum!Kulinarisch gibt es einiges zu entdecken. Neben Klassikern wie Köttbullar, die erfreulicherweise gleich in mehreren Varianten vorgestellt werden, finden sich auch mir bisher unbekannte Gerichte, etwa karamellisierte Zwiebel-Pasta mit Röstbrot-Crunch. Bei einem Rezept für klassische Hotdogs war ich zunächst etwas verwundert - schließlich braucht man eigentlich keine Kochbuchanleitung, um ein längliches Brötchen einzuschneiden und mit Wurst, Beilagen und Soßen zu belegen. Doch Klipp macht daraus mehr: Sie liefert nämlich auch Rezepte für gepickelte Zwiebeln, eingelegte Gurken und die passenden Hotdog-Brötchen. So kann man viele Bestandteile dieses beliebten Klassikers selbst herstellen - für mich eindeutig ein Pluspunkt.Allerdings haben mich nicht alle herzhaften Rezepte gleichermaßen angesprochen. Vieles ist recht einfach und deftig, was natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Dafür finde ich die süße Seite des Buches umso überzeugender. Schön ist außerdem, das gleich vier komplette Festmenüs für unterschiedliche Anlässe vorgestellt werden.Auch optisch macht "Hej!" einiges her. Das hochwertige Hardcover mit Lesebändchen ist sehr ansprechend gestaltet, und die vielen großformatigen, stimmungsvollen Farbfotos machen sofort Lust darauf, sich nach Schweden zu träumen. Besonders schön finde ich das Detail, dass bei den Rezepten neben der deutschen Übersetzung auch der schwedische Name des Gerichts angegeben wird. Das unterstreicht den authentischen Charakter des Buches.Ein paar Kritikpunkte gibt es für mich dennoch: Gerade für Kochanfänger wären Angaben zum Schwierigkeitsgrad und zur Zubereitungsdauer hilfreich, diese fehlen leider. Teilweise finde ich auch die Zubereitungsanleitungen etwas unübersichtlich. Mehr Absätze hätten die Lesbarkeit verbessert, zumal die Schrift für mich etwas klein geraten ist - Platz wäre durchaus vorhanden gewesen. Ärgerlich ist außerdem, dass bei einzelnen Rezepten offenbar ein Zubereitungsschritt fehlt. Bei den Hefeschnecken mit Walnüssen wird beispielsweise nicht erwähnt, dass der mit der Füllung bestrichene Teig zunächst gefaltet wird, bevor er in Streifen geschnitten und weiterverarbeitet wird. Zum Glück lässt sich dieser Schritt anhand der Fotos nachvollziehen.Trotz dieser kleinen Schwächen ist "Hej!" für mich ein gelungenes Koch- und Backbuch. Es vermittelt nicht nur schwedische Küche, sondern auch ein Stück Lebensgefühl und macht mit seinen Geschichten, Bildern und Rezepten Lust darauf, Schweden kulinarisch zu entdecken. Besonders Fans der skandinavischen Küche und alle, die gerne süße schwedische Spezialitäten ausprobieren möchten, dürften mit diesem Buch viel Freude haben.