In ihrem Roman "Real Americans" (Verlag Kiepenheuer & Witsch/Erscheinungstermin 12.02.2026) erzählt die Autorin Rachel Khong die Geschichte der Familie Chen. Der Roman wurde aus dem Amerikanischen von Tobias Schnitzler übersetzt. Das Cover ziert eine Auster auf hellblauem Grund. Die Auster begegnet uns auch immer wieder in diesem Roman. Zum einen real als Delikatesse. Zum anderen sinnbildlich. So verschlossen wie eine Auster geben sich zuweilen die Protagonisten. Auch der Titel passt perfekt zu diesem Roman. Was macht eine Person zu einer echten Amerikanerin oder wer ist ein wahrer Amerikaner?
Der erste Teil dieses Romans beginnt mit der zweiten Generation. Lily wurde in Amerika geboren und ist die Tochter von Mei und Wen, chinesische Einwanderer. Sie spricht kein Chinesisch und dafür schämt sie sich sehr oft. Sie studiert und arbeitet als unbezahlte Praktikantin. Auf einer Weihnachtsfeier lernt sie Matthew kennen. Er ist der Neffe ihres Chefs und aus einer einflussreichen und vermögenden Familie. Trotz der unterschiedlichen Herkunft heiraten die beiden, aber kurz nach der Geburt von Nico verlassen Lily und ihr Sohn Matthew.
Der zweite Teil handelt von Nico, der dritten Generation, der nun Nick gerufen wird. Er lebt mit seiner Mutter Lily auf einer abgelegenen kleinen Insel. Nick ist blond und hat blaue Augen und dass die Vorfahren mütterlicher Seits Chinesen sind, ist nicht zu erkennen. Lily verschweigt ihrem Sohn, wer sein Vater ist. Aber Nick setzt alles daran, dies herauszufinden und in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.
Der dritte Teil des Romans widmet sich Lilys Mutter. Mei ist inzwischen Mitte achtzig und sie will ihrem Enkel Nick alles über sich erzählen. Mei lebte in China mit ihrer Familie in einfachen Verhältnissen. Sie erhielt die Chance in Peking zu studieren, doch schon bald bekamen die Studenten die Veränderungen durch die Regierung von Mao und der Roten Garden zu spüren. Mei entschied sich für eine Flucht mit Wen. In Amerika angekommen, heirateten die beiden und arbeiteten als Wissenschaftler. Von nun an hieß sie May und sie sprach nur noch amerikanisch, auch wenn sie chinesisch angesprochen wurde.
Der Roman ist spannend und überraschend geschrieben und liest sich flott. Die Charaktere der Protagonisten und ihre Veränderungen hat Rachel Khong so detailliert beschrieben, dass man sie sich vorstellen kann. "Real Americans" ist ein interessanter und lesenswerter Roman über Familie, Einwanderung und Integration.