Cover & Klappentext
Das Cover ist ohne Frage ein Eyecatcher. Meines Erachtens nach passt es nicht offensichtlich zur Story, dafür eher auf einer Gefühlsebene. Aber es war nicht das Cover, das mich gefesselt hat, sondern der Klappentext sowie die Autorin, denn das ist nicht mein erstes Buch von ihr.
Jugendbücher sprechen mich oft an. Zum Teil weil sie ungefilteter und emotionaler sind, aber auch weil meine Jugendzeit nicht gerade entspannt war.
Ich verweise hier auf die Triggerwarnung. Wer selbst Mobbing erlebt hat, sollte sich genau überlegen, ob er stark genug ist für diese berührende Geschichte.
Meinung
Dass Zusanna als Kind Opfer von Mobbing und Gewalt wurde, ahnt heute niemand mehr, obwohl die Vergangenheit sie regelmäßig in Form von Panikattacken und Ohnmachtsanfällen heimsucht.
Inzwischen studiert sie tagsüber Psychologie und arbeitet nachts in einem angesagten Techno-Club als Barkeeperin, wo sie Tjard begegnet, in den sie sich verliebt. Wider Erwarten schafft sie es, sich auf ihn einzulassen, bis sie erneut mit ihren schlimmsten Erinnerungen konfrontiert wird.
Aus der Sicht von Zusa(nna) wird man durch das Geschehen geführt. Der Einstieg wirkte anfangs etwas unkoordiniert, sodass es eine Weile dauerte, bis ich mich zurechtgefunden habe. Aber das kenne ich schon aus Ganz aus Splittern, ebenfalls ein Jugendbuch der Autorin.
Zusa(nna) verliert sich regelmäßig in ihren Erinnerungen, und so erfährt man, wie es dazu kam, dass sie während ihrer Schulzeit gemobbt wurde. Und alles fing damit an, dass sich die Kinder nicht nur an ihre beste Freunde klammern, sondern sich mit anderen zusammentun sollten.
Der Schreibstil entspricht in seiner Wortwahl Jugendbüchern, allerdings ohne zu plump zu wirken. Hier wurde die Umgangssprache wunderbar ausgereizt, was mir sehr gefallen hat. Ich beziehe mich hier besonders auf Manfred. Auch das Tempo war absolut stimmig und variierte entsprechend der Szenen, sodass keinerlei Längen aufkamen.
Zusa(nna) wurde toll gezeichnet. Als Kind war sie eher zurückhaltend. Altersentsprechend noch naiv, sodass sie das Mobbing, was anfangs noch subtil war, als solches gar nicht wahrgenommen hat. Auch später, als sie Teil einer Clique war, konnte sie es sich nicht vorstellen. Warum sollten die Mädchen ihr Schlechtes wollen, schließlich waren sie Freundinnen. Doch irgendwann wurde es so schlimm, dass Lehrer und Eltern involviert wurden, was jedoch nichts änderte.
Ich kenne ähnliche Fälle. Erwachsene sind oft der Meinung, es seien kleine Reibereien. Kinder machen das schon unter sich aus. In dem Fall spielte noch Stolz und Prestige eine Rolle.
Ich konnte quasi sofort eine Verbindung zu Zusa(nna) herstellen, ob nun als Kind oder als Erwachsene. Auf den ersten Blick hat sie Jahre später ihr Leben im Griff, aber das täuscht. Ihr Mangel an Vertrauen macht es beinahe unmöglich, sich auf jemanden einzulassen. Dennoch schafft sie es bei Tjard.
Tjard, der eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt, ist ebenfalls ein Sympathieträger. Ob die Autorin ihm dieses Aussehen gegeben hat, um im ersten Moment eine abschreckende Wirkung zu erzielen, vermag ich nicht zu sagen. Falls dem so war, dann hat es bei mir nicht funktioniert. Seine Optik mag Badboy schreien, aber er ist vielmehr als nur eine Schublade.
Beide, Zusa sowie T, harmonieren toll miteinander, obwohl mich erstaunt hat, wie schnell Zusa ihm einen Vertrauensvorschuss gegeben hat. Wobei hier erwähnt werden muss, dass zwischen Zusanna und Zusa unterschieden wird. Zusa ist tough. Sie traut sich eher was. Im Gegensatz zu Zusanna. Dennoch wirkte diese rasante Intensität auf mich nicht ganz glaubwürdig.
Die Autorin hat hier ein schwieriges Thema sensibel umgesetzt. Nach wie vor gibt es in Deutschland kein Anti-Mobbing-Gesetz wie in anderen Ländern. Man kann erst etwas unternehmen, wenn andere Gesetze greifen, aber dann kann es schon zu spät sein. Deshalb ist es wichtig, Hilfestellen aufzusuchen, alles zu dokumentieren und, wenn möglich, Beweise zu sammeln.
Die Autorin zeigt in dieser Geschichte, dass es wichtig ist, niemanden damit davonkommen zu lassen. Zum einen für sich selbst, um abschließen zu können, aber auch um anderen dieses Schicksal zu ersparen.
Fazit
Ein berührender, tiefgründiger Jugendroman, der nicht nur ganz banal ein wenig Mitleid weckt. Stattdessen konfrontiert er und rüttelt auf, denn das Thema Mobbing wird zu häufig totgeschwiegen oder verharmlost, ohne zu berücksichtigen, was den Opfern angetan wird.
Ich vergebe viereinhalb Sterne, die ich auf sehr knappe fünf aufrunde, sowie eine klare Leseempfehlung.