Schon der Einstieg in Die Nachbarin. Lass sie nicht in dein Haus. hat mich sofort gepackt. Die Vorstellung, einen kleinen Jungen aus einem See zu retten und plötzlich das unerschütterliche Gefühl zu haben, dass es das eigene Kind ist obwohl man nie schwanger war ist so außergewöhnlich und verstörend, dass ich unbedingt wissen wollte, wie diese Geschichte weitergeht. Genau diese Mischung aus Mystery, Psychothriller und Familiendrama hat für mich den besonderen Reiz des Buches ausgemacht.
Smilla ist eine interessante Protagonistin, deren Verunsicherung und Zweifel man beim Lesen gut nachvollziehen kann. Als die Familie des Jungen ausgerechnet neben ihr einzieht und sich die Ereignisse immer weiter zuspitzen, wächst das Misstrauen gegenüber nahezu allen Figuren. Ständig fragt man sich, wer die Wahrheit sagt, wer etwas zu verbergen hat und ob Smilla ihren eigenen Wahrnehmungen überhaupt noch trauen kann. Dieses permanente Gefühl der Unsicherheit sorgt dafür, dass die Spannung von Kapitel zu Kapitel zunimmt.
Besonders gut gefallen hat mir der flüssige und leicht lesbare Schreibstil. Die Seiten fliegen nur so dahin, weil immer wieder neue Hinweise, überraschende Wendungen und unerwartete Twists eingebaut werden. Immer wenn ich dachte, ich hätte die Geschichte durchschaut, kam eine neue Enthüllung, die alles wieder in ein anderes Licht gerückt hat. Dadurch blieb der Spannungsbogen bis zum Ende konstant hoch, und ich wollte das Buch kaum aus der Hand legen.
Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich der Sprachstil an einigen Stellen. Ich persönlich mag umgangssprachliche Formulierungen in der Erzählung nicht besonders. Ausdrücke wie das Ding ist haben für mich nicht so recht zur ansonsten spannenden Atmosphäre gepasst und haben mich kurz aus dem Lesefluss gerissen. Das ist allerdings Geschmackssache und hat meinen Lesegenuss insgesamt nur wenig beeinträchtigt.
Insgesamt ist Die Nachbarin. Lass sie nicht in dein Haus. ein packender Psychothriller mit einer originellen Ausgangsidee, viel Spannung und zahlreichen überraschenden Wendungen. Wer Geschichten mag, in denen nichts so ist, wie es zunächst scheint, und bei denen man bis zum Schluss miträtseln kann, sollte diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben.