Der Beginn war wieder sehr zäh und zu introvertiert. Erst im zweiten Teil kam Tempo und Spannung. Also würdiges Ende, aber Weg war weit.
Nach einem Cliffhanger ist Wartezeit immer blöd, aber bei Nina Schillings Dilogie The Day and Night ging es doch gefühlt sehr fix, sodass ich für den Abschluss "And Midnight Fades to Dawn" alles noch erfreulich präsent hatte und mich sofort ins Geschehen stürzen konnte.Leider war da am Anfang nicht genug Geschehen. Ich habe mir auch nochmal meine Rezension zum ersten Band durchgelesen und da lag meine Kritik vor allem in der Stilistik und das wurde im zweiten Band leider nicht abgelegt. Der Beginn ist erneut unheimlich zäh. Auch wenn ich diesmal nichts am Schreibstil zu kritisieren habe, so hätte ich mir doch gewünscht, dass zu Beginn eines Abschlussbandes direkt Tempo und Brisanz drin ist. So haben wir am Anfang eine kürzere Spannungsszene, die dann fortan ein Drittel des Buchs bestimmt, aber Cass und Nox sind vor allem mit Denken und Fühlen beschäftigt, während sich sonst nicht so viel getan hat. Ich habe dementsprechend für die ersten 200 Seiten dreifach solange gebraucht für die restlichen 200 Seiten, weil der Unterschied so gravierend war. Auch wenn mir klar war, dass die Einführung in den dritten Hof Beschreibungen brauchen wird, aber das war gar nicht so auffällig, weil dieses Hin und Her mit Cass und Nox so dominant war. Bei mir merke ich dann als Reaktion auch immer, dass ich die Romantik zunehmend nervig finde und das ist nie gut.Ich hatte im Vorfeld des zweiten Bandes den Wunsch entwickelt, dass ich gerne auch den Taghof kennenlernen würde, weil wir Band 1 bei der Nacht verbracht haben. Da wird leider völlig drauf verzichtet. Auch wenn ich verstehe, dass der Hof von Sol sicherlich eher wie unsere Welt ist, aber es sind ja auch nicht nur Lebensweisen, sondern auch Menschen, die damit zu tun haben. Und das hat für mich als Ausgleich einfach gefehlt. Da ich jetzt den gesamten Inhalt kenne, so kann ich im Nachhinein auch nicht sagen, wie man es stattdessen hätte machen sollen, aber ich empfinde das als Lücke. Aber wir haben diesmal den dritten Hof als neue Welt und da gab es doch einige Überraschungen. Das fand ich auch interessant, da etwas tiefer einzutauchen. Wenn ich mir jetzt einiges zum Taghof denke, dann kann ich aber zumindest sagen, dass die wahrscheinlichen Unterschiede zwischen allen drei Welten doch deutlich wurden. Mir hat auch gefallen, dass der Inhalt doch arg mit der Liebe für die Natur verbunden war. Und in Zeiten, wo wir so wenig auf unsere Umwelt achten, da fand ich Schillings Geschichte sogar eine mit einer tieferen Botschaft, weil es eine Symbiose von Menschen und Umwelt geben muss.Wie angedeutet hat mir der zweite Teil insgesamt deutlich besser gefallen. Da sind wir auch wieder den bekannten Figuren begegnet und dort ist dann auch einfach mehr passiert. Ich fand zwar immer noch, dass es unnötige Szenen gab, die zwar der Unterstreichung der Charaktere dienten, aber in der Gesamtkomposition hätte ich darauf verzichtet und die Charaktere dennoch verstanden. Aber irgendwann war auch der Punkt, da ging es wirklich um alles und da war es dann ähnlich wie bei den Spielen in Band 1. Da passte die Gestaltung sehr gut. Da war Schilling als Autorin auch nicht zimperlich, da gab es so viele mögliche Ausgänge und somit war die Handlung nicht vorhersehbar. Da war es mit deutlichem Abstand am besten. Ich fand dann auch das Ende sehr angemessen für die Geschichte. Auch wenn kleinere Teile vielleicht etwas zu rosig waren, so war es insgesamt doch so, dass wir in einem Umbruch enden, wo noch nicht alles perfekt ist und das fand ich sehr realistisch und deswegen richtig.Fazit: Ich hatte mir für "And Midnight Fades to Dawn" mehr Stärken aus Band 1 gewünscht, stattdessen gab es leider wieder einen sehr zähen Beginn. Da musste ich mich etwas quälen. Ich fand auch, dass es für mich eine offensichtliche Lücke gab, aber bei der eigentlichen Intention der Handlung und beim Showdown kann ich dann nichts kritisieren. Da stimmte Tempo, das Risiko und die Spannung. Insgesamt waren die Bände sehr ähnlich gestaltet und da kann ich für die Zukunft nur raten, besser am Anfang schon mehr Gas geben, denn dann wirken die Geschichten nicht so stark zweigeteilt. Ich bin trotz dieser Schwäche gespannt, was Nina Schilling als nächstes machen wird.