Cover & Klappentext
Das Cover von Band zwei ist sehr ähnlich zu dem von Band eins. Nur Kleinigkeiten weichen davon ab und natürlich die Farbgebung.
Es gefällt mir nach wie vor, denn es spiegelt die Stimmung des Buches wider.
Auch der Klappentext überzeugt.
Nachdem ich den ersten Teil regelrecht verschlungen habe, konnte ich die Fortsetzung nicht erwarten.
Meinung
Auch hier gilt: Zartbesaitete sollten sich auf etwas gefasst machen. Denn diese Story ist keineswegs nur düster, sondern dunkel wie die schwärzeste Nacht, schonungslos und zeitweise regelrecht brutal. Wer hier Sanftheit sucht, die Trost spendet, wird kaum fündig. Wer allerdings einen Blick in den Abgrund wagt, auch wenn er droht hinabzufallen, ist genau richtig.
Alles auf Anfang.
Maevyth ist zurück in Mortasia, nach wie vor auf der Suche nach ihrer Schwester, doch dort ist nichts mehr so, wie es war. Es ist deutlich mehr Zeit vergangen. Die meisten Bewohner haben sich in Monster verwandelt, die alles jagen, was ein wenig Leben in sich trägt.
Aber Maeve ist nicht allein. Zevander, der tödliche Assassine, ist ihr gefolgt. Und nun sitzen sie an einem Ort fest, der nur Tod und Verwüstung bereithält, während Zevander die Zeit davonläuft. Ohne das lebenserhaltende Vivicantem verliert er nach und nach die Kontrolle über seine verfluchte Blutmagie.
Wenn Maeve Zevander retten will, müssen sie zurück nach Aethyrien, erneut durch die Eating Woods, was eine schicksalhafte Entscheidung von ihr fordert. Wen will sie retten? Den Mann, den sie über alles liebt, oder ihre Schwester?
Aus der Sicht von Maeve wird man durch das Geschehen geführt, ergänzt von Kapiteln in der personalen Erzählweise, die sich um Zevander und Kazhimyr drehen.
Um wieder komplett in das Geschehen zu finden, habe ich mir zur Erinnerung das Hörbuch von Band eins angehört, was ich im Übrigen durchaus empfehlen kann. Die Sprecher machen einen tollen Job.
Im Prinzip geht es nahtlos weiter. Ich weiß nicht, ob mir der Einstieg leichtgefallen wäre, wenn ich mich nicht auf den neuesten Stand gebracht hätte, denn die Story ist ziemlich komplex. Es gibt zwar einige kleine Hinweise, aber ob die ausreichen, jede Kleinigkeit auf dem Schirm zu haben, wage ich zu bezweifeln.
In der Fortsetzung setzt die Autorin auf viele Rückblenden. Das hat mich anfangs ein wenig verunsichert. Es ist das eine, wenn diese Art von Missbrauch und Folter kurz erwähnt wird, aber was ganz anderes, wenn es in einzelnen Szenen plastisch dargestellt wird. Hier verweise ich auf die Warnung weiter oben.
Normalerweise gehöre ich zu der Fraktion, die es schonungslos und direkt mag, doch hier musste ich das ein oder andere Mal schlucken.
Im Verlauf konnte ich allmählich damit umgehen, denn die Vergangenheit beider Hauptprotagonisten ist wichtig. Wichtiger als anfangs angenommen.
Zudem sorgen die Rückblenden für mehr Abwechslung. Die Zeit in Mortasia ist schon recht eintönig. Es passiert gelegentlich etwas, aber der Schwerpunkt liegt auf der Beziehung von Maeve und Zevander. Die Vergangenheit hat beide nachhaltig geprägt, da ist es nicht einfach, sich auf jemanden einzulassen, geschweige denn, dem Gegenüber zu vertrauen. Diese Szenen sind teilweise schön gelungen, weil sie beide Charaktere voranbringen. Natürlich immer unterbrochen von kleinen Spannungsspitzen und Schwierigkeiten.
Auch hier überzeugt die Autorin mit ihrem außergewöhnlichen Schreibstil, der was eigenes an sich hat. Irgendwie stellt er die passende Ergänzung zu der einzigartigen Geschichte dar. Die Wortwahl und die Satzstrukturen verweben sich zu einem geschmeidigen Text, der das Verständnis erleichtert, insbesondere da die Stolperstellen deutlich reduziert wurden. Zwar gibt es immer noch genug Schachtelsätze, diese laufen aber nicht mehr so oft ins Leere.
Wenn man das Tempo etwas angezogen hätte, dann wäre das Lesen ein wahres Vergnügen gewesen. So kam es leider immer wieder zu diversen Längen.
Die Geschichte bleibt grausam, brutal und unbarmherzig. Doch in dieser Welt finden zwei auf den ersten Blick unterschiedliche Charaktere langsam zueinander. Das könnte ihre Rettung sein, wenn sie es schaffen, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Leider lassen sich das Schicksal und die Götter nicht betrügen, weshalb der Weg mit Tod und Verzweiflung gepflastert ist. Und das ändert sich wohl auch in Band drei nicht, wenn man das Ende bedenkt. Es scheint, als würden die beiden Hauptprotagonisten die Rollen tauschen. Ich kann es einerseits nicht erwarten zu erfahren, wie es weitergeht, und andererseits bin ich etwas eingeschüchtert.
Fazit
Auch in der Fortsetzung zeigt die Autorin ihr unnachahmliches Talent, widersprüchliche Emotionen zu kombinieren, sodass man sich hin- und hergerissen fühlt, in Anbetracht der Düsternis, die vorherrscht.
Für alle, die sich nicht vom Abgrund fernhalten können und gern mit dem Feuer spielen: Willkommen in den Eating Woods!
Obwohl ich die Fortsetzung als etwas schwächer als Band eins empfinde, bleibt es bei vier von fünf Sternen sowie einer klaren Leseempfehlung.