Mit Mo & Moritz bringt Julya Rabinowich einen Roman auf den Markt, der weit mehr ist als eine typische Liebesgeschichte zwischen zwei Jugendlichen. Die Autorin schafft es, eine komplexe Erzählung zu spinnen, die nicht nur von der ersten, aufregenden Liebe erzählt, sondern auch tief in gesellschaftliche Themen eintaucht, die die Protagonisten und ihre Welt prägen. Der Roman beleuchtet Themen wie soziale Ungleichheit, kulturelle Barrieren und politische Spannungen, während die beiden Hauptfiguren ihre eigene Identität und ihren Platz in der Welt suchen.
Mo, der von seiner Schule verwiesen wurde, findet in einem Friseursalon einen neuen Lebensweg. Er ist ein nachdenklicher Charakter, der sich durch die Schatten seiner Vergangenheit kämpft und nach einem Ort sucht, an dem er akzeptiert wird. Moritz hingegen lebt in einer anderen, scheinbar unbeschwerten Welt: ein Junge aus einer wohlhabenden Familie, der an gesellschaftlichen Ereignissen wie dem Opernball teilnimmt. Trotz ihrer unterschiedlichen Lebensrealitäten lernen sich die beiden kennen und entwickeln eine Beziehung, die sowohl heilende als auch zerstörerische Seiten hat. Ihre Verbindung ist von der Suche nach Verständnis und Vertrauen geprägt, doch sie müssen immer wieder gegen äußere und innere Widerstände ankämpfen.
Hier geht es nicht nur um Liebe im klassischen Sinne, sondern auch um die Auseinandersetzung mit Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftlichen Normen. Die Autorin beleuchtet die Differenzen zwischen den beiden Hauptfiguren, sei es religiöser, wirtschaftlicher oder kultureller Natur und zeigt auf, wie diese Unterschiede ihre Beziehung auf die Probe stellen.
Ein besonders dramatisches und realitätsnahes Element der Geschichte ist die Behandlung von Themen wie Antisemitismus und extremistischen Ideologien. Mo muss sich mit den Auswirkungen eines Terroranschlags auseinandersetzen, der seinen Bruder betrifft, während Moritz mit antisemitischen Angriffen konfrontiert wird, die sein Zuhause erschüttern. Diese Themen verleihen dem Buch eine gravitätische Tiefe und stellen die Protagonisten vor enorme moralische und persönliche Herausforderungen. Doch diese ernsten Themen sind nicht einfach nur zur Provokation eingeführt, sondern tragen zur Entwicklung der Charaktere und zur Schärfung des Blicks auf die aktuellen gesellschaftlichen Spannungen bei.
Trotz der schweren Themen bleibt der Ton des Buches immer authentisch und ungekünstelt. Die Dialoge zwischen Mo und Moritz sind lebendig und oft von einer offenen, fast rohen Ehrlichkeit geprägt. Rabinowich gelingt es, den inneren Konflikt der beiden Jugendlichen und ihre Suche nach einem Ort der Akzeptanz und des Friedens inmitten von Chaos und Unsicherheit auf eindrucksvolle Weise darzustellen. Die Leser werden in die emotionalen Höhen und Tiefen der Protagonisten hineingezogen, ohne dass es je an Realismus verliert.