Ideal für sportinteressierte Boomer
Sandro Veronesi führt uns in die Welt eines 12-jährigen im Italien der 70er Jahre. Gigio führt ein glückliches, behütetes Leben. Die Familie ist gut gestellt, die Eltern liebevoll und fürsorglich. Gigio hat einige leicht autistische Züge, interessiert sich für Sport, die olympischen Spiele stehen bevor, aber er interessiert sich auch für Astel, die ein Jahr ältere Tochter der Strandnachbarn.An die fünfzig Jahre später blickt Gigio zurück auf diesen Sommer, der alles änderte, der ihn änderte.Der Roman fing recht verheißungsvoll an für mich, Sommerfeeling, Rückkehr in die 70er, historische Ereignisse, die Musik,¿. Leider hielt der Eindruck nicht bis zum Ende des Buches an. Veronesi erzählt sehr detailliert, das ist einerseits gut, weil es die Stimmung und das Lebensgefühl transportiert, andererseits haben mich mit der Zeit aber auch die vielen, sich wiederholenden Details, insbesondere die zu den sportlichen Ereignissen, zunehmend gelangweilt. Der Roman gibt sehr gut die Stimmungslage eines erstmalig Verliebten wieder, die Euphorie, die Unsicherheit. Insgesamt ist das Buch eher handlungsarm und konzentriert sich auf das Innenleben von Gigio, wobei ich denke, dass seine Gefühle, seine Gedanken, sein Erleben vielleicht eher zu einem 13-14-Jährigen gepasst hätten als zu einen zwölfjährigen.Die Lebenswirklichkeit der 70er Jahre ist authentisch dargestellt, das kann ich als Zeitzeuge gut beurteilen. Sehr schön für mich waren Erinnerungen an bereits Vergessenes: die Klackerkugeln! Schlimm und schmerzhaft und ich hatte nie mehr an sie gedacht. Auch die Bezüge zur Musik der 70er Jahre waren für mich ein Highlight, das war meine Zeit, meine Musik.Insgesamt fällt meine Bewertung mittel aus, vieles war gut, vieles wiederholend, in die Länge gezogen, langweilig.Ich empfehle das Buch für sportinteressierte Boomer. Für Jüngere ist es vielleicht nicht so geeignet, zum einen sind es für sie zu viel zeitbezogene Details, zum anderen sind es die verschiedenen Lebenswirklichkeiten. Heute würden erstmalig Verliebte wohl anders denken/handeln.