Der Autor Pascal Mercier war mir bisher noch kein Begriff. Es handelt sich um das Pseudonym des Schweizer Philosophen Peter Bieri, unter dem er Romane veröffentlichte, die seine philosophischen Erkenntnisse mit viel psychologischer Tiefe wiedergaben. Für seine werke wurde Bieri mehrfach ausgezeichnet und in dem vorliegenden Buch sind fünf Kurzgeschichten aus seiner Feder vereint.Alle fünf Geschichte haben die Gemeinsamkeit, die Gefühlswelt der jeweiligen Protagonisten in den Vordergrund zu stellen. So kann sich in "Die Übergabe" der Besitzer einer Immobilie, die sich schon lange im Familienbesitz befindet nicht so wirklich trennen. Es fällt ihm wahnsinnig schwer loszulassen und die Spannung zwischen dem Erwerber und Verkäufer wird sehr gut wiedergegeben. Auch in der zweiten Kurzgeschichte geht es um die Emotionen, die ein großzügiges Geschenk auslöst. Sowohl der Schenker als auch der Beschenkte fühlen sich in ihrer Rolle nicht wohl und zeigen, dass einer vermeintlich wohlwollende Tat durch Zweifel nicht den gewünschten Effekt erzielen kann. Auch die drei weiteren Einblicke sind von ruhiger Natur und zielen lediglich auf die ausgelösten Gefühle ab. Pascal Mercier gelingt es aber aus meiner Sicht beeindruckend, den Geschichten in den jeweils gut zwanzig Seiten so viel Tiefe zu verleihen, dass sie dazu einladen innezuhalten und das Gelesene auch wirken zu lassen. Ich habe mir daher mit dem durchaus kompakten Buch auch Zeit gelassen, was ich auch im Nachgang als sehr passend empfinde.Insgesamt ist "Der Fluss der Zeit" eine aus meiner Sicht sehr gelungene Sammlung kurzer vielsagender Geschichte, die es ermöglichen dem Alltag zu entfliehen und das Ganze auf sich wirken zu lassen. Gerade hier kann man sagen, "In der Kürze liegt die Würze", da man mehrfach auf eine Auflösung hinfiebern kann. Ich empfehle die Anthologie sehr gerne weiter und bewerte sie mit guten vier von fünf Sternen.