Als Frank erkrankt, sieht sich seine Tochter gezwungen, ihr Leben zu pausieren. Statt Partys, Dates, FreundInnen und einem Job verlaufen Lolas Tage fortan strukturiert, sind voll mit Sorgen, Medikamentenplänen und Arztterminen. Die Mittzwanzigerin läuft auf Autopilot, um keine Fehler zu machen. Um für ihren Vater, der so viel für sie getan hat, da zu sein.Dass die neue Physiotherapeutin ausgerechnet Maxi ist, zieht ihr jedoch den Boden unter den Füßen weg, bringt die junge Frau Erinnerungen mit, für die in Lola kein Platz mehr sind. Keiner mehr sein sollte. Einst beste Freundinnen haben es die beiden sieben Jahre geschafft, sich nicht zu begegnen. Jahre, in denen Maxi nie wieder so empfunden hat wie damals. Frank jetzt so zu sehen, einen Mann, der mehr Verständnis für sie übrig hatte als ihre eigenen Eltern, der sie aufgenommen hat, als ihre Mutter sie nicht wollte, tut weh. Doch auch Lolas Anblick zwickt: Statt Lebenslust ist da nur noch Erschöpfung, statt bissigem Humor ist da ... kaum noch etwas übrig ...Während es Lolas Vater merklich schlechter geht, erwachen die verdrängten Gefühle der Frauen erneut. Doch was, wenn das Happy-End anklopft, gerade dann, wenn alles auseinanderfällt?In "¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿¿" erzählt Inka Lindberg eine queere Second Chance-Romance, in der die Beziehung zwischen Maxi und Lola zwar eine zentrale Rolle bildet, jedoch nicht in der Lage ist, die schweren, gewichtigen Themen zu überschatten. Wir verfolgen das Geschehen über Monate hinweg aus wechselnder Perspektive, was uns den Raum gibt, die Protagonistinnen und ihre Lebensrealitäten kennenzulernen.Schien Lola oft distanziert, bemüht resigniert, hat sie doch längst akzeptiert, dass nichts mehr besser wird, unwillig, um Hilfe zu bitten, zusammenzubrechen, ist Maxi ein konträrer Part: Mitten im Berufsleben hat sie Ausgleich im Sport gefunden, mit Quinn den perfekten Mitbewohner; strahlt selbstbewusst und geht Flirts nicht aus dem Weg. Könnte Lola auf einige LeserInnen kühl und abgeklärt wirken, fand ich sie in Anbetracht all dessen, was sie verpassen und aufgeben musste, mit all ihren (Selbst)Zweifeln und Sorgen, ihren Ängsten und mentalen Problemen einfach nur echt. So verdammt verletzlich.¿ "¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿, ¿¿¿ ¿¿¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿¿ ¿¿¿¿¿. ¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿, ¿¿¿ ¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿ ¿¿¿ (...)"Da die Autorin Rückblenden einfließen lässt, wird die persönliche Geschichte der Frauen, ihr Zueinanderfinden und ihr Ende, im selben Maße greifbar wie Lolas Veränderung. In diesen Kapiteln wird auf eine besondere Weise neben Freundschaft auch Maxis Queerness, ihr Coming-out und die Hürden, Anfeindungen und Unsicherheiten, die damit einhergingen, behandelt. Stets an ihrer Seite stand Lola. Schlagfertig und gleichgültig ob der Meinungen anderer.Wir treffen im Jetzt keine Fremden, sondern Vertrautheit, Konflikte und Wehmut. Ungesagte Worte, nie vergessene Empfindungen. Ihr Verhältnis entwickelt sich den Umständen und Hintergründen entsprechend. Aus distanzierten, rein professionellen, erzwungenen Gesprächen wurden neckende Nachrichten. Pläne. Intimität. Humorvoll, den Anschein von Unverbindlichkeit weckend, öfter jedoch von Ernst durchtränkt, von stiller Trauer. Ein fragiles, sich nur langsam verdichtendes Band. Ich genoss es, wie hartnäckig und beständig Maxi blieb, wie sich Lola langsam öffnete, endlich erkannte, nicht immer stark sein, alleine kämpfen zu müssen.Lindberg setzt auf prickelnde Tension und Sanftheit statt auf Spice und Schnelligkeit, was sich hervorragend in die atmosphärisch-ruhige, bedrückende Handlung fügt.¿ "¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿¿ ¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿, ¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿ ¿¿¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿¿ß¿¿ ¿¿¿¿."Für mich war der Dreh- und Angelpunkt der Story aber die Demenz von Frank. Denn aus dieser entstehen Lolas Überforderung, ihre merklich spürbare körperliche wie mentale Erschöpfung, ausgebrannt von der endlosen Aufopferung und ihrem Pflichtgefühl.Selbst Lolas Großeltern - Franks Eltern - waren auf eine Art involviert, die uns ein unvorstellbares, ein grausames Leiden zugänglich macht. Zu sehen, wie das eigene erwachsene Kind dahinsiecht, immer weniger wird, ist eine Erfahrung, die niemand machen sollte. Subtil kritisiert werden zurecht u. A. die unzureichenden (und unbezahlbaren) Hilfsmöglichkeiten, die überlasteten Pflegestellen, das wenig Sicherheit bietende Gesundheitssystem für Erkrankte und Angehörige und das Unverständnis Außenstehender.All das wurde sensibel und verständlich behandelt; die Handlung war mit Melancholie und durchdringender Verzweiflung gespickt. Lindberg griff zu einfühlsamen Worten, zu einem Hauch Poesie, nahbaren und echten Emotionen, zeigt einen Alltag, der uns alle treffen könnte. Authentisch, schwermütig und eindringlich.Frau Berthold und Quinn brachten hier und da Leichtigkeit mit, indes sind es innige Augenblicke und Zärtlichkeit, die den Romantik-Faktor sacht puschen."Ever since she kissed me" erinnert daran, dass es niemals zu spät für neue Erfahrungen ist, dass nicht alles ein Label braucht und Selbstfürsorge nie egoistisch, immer essenziell ist. Dass wir jeden klaren Moment genießen sollten, denn nichts ist so sicher wie der Tod, der uns alle irgendwann - manche viel zu früh - trifft.Viele, viele Gedanken und Momente gehen nah, treffen tief, stimmen nachdenklich und lassen innehalten - nicht, kein einziges Mal aufgrund überzogener Dramatik, sondern einzig aufgrund der Realitätsnähe. Inka sorgt für Gänsehaut, für schwer Schlucken. Gleichzeitig schafft sie Sichtbarkeit für Betroffene von Demenz und Angehörige, für die Not.