Serafine Montalin tritt ihren neuen Job beim renommierten Schokoladenkonzern CacaoBest mit gemischten Gefühlen an. Zum einen hat sie die besten Voraussetzungen dafür, hinter die Kulissen von der Produktion von Schokolade zu blicken, weil sie ein Ausbildung zur Lebensmittelchemikerin und Juristin absolviert hat, und zum anderen will sie die mysteriösen Umstände des Unfalltods ihres Vaters in Erfahrung bringen.
Recht bald erkennt sie, dass hinter der ach so sauberen Fassade von CacaoBest einige unschöne dunkle Flecken lauern, die auch weitere Fragen, die Vergangenheit ihrer Familie betreffen, aufwerfen.
An Edith Novak ist so vieles unecht, dass man weder ihr Alter noch ihre Absichten einschätzen kann. S. 49
Welche Rolle spielt Josef Pichler, der einstigen rechten Hand ihres Vaters, und nunmehriger, beinahe unverzichtbarer Mitarbeiter bei CacaoBest? Hat er etwas mit dem Tod von Serafines Vater zu tun? Und was haben Matthis von Vilan und seine herrische Mutter, die Eigentümer der kleinen, aber feinen Schokoladenfabrik Grison, mit CacaoBest zu schaffen? Serafine schwant Übles, denn Hermine von Vilan hasst die Familie Montalin mit jeder Faser ihres Körpers.
Meine Meinung:
Als eifrige Besucherin von Führungen in Schokolademanufakturen in Hamburg, Brüssel, Brügge und Gent, sowie Leserin einschlägiger Lektüre (Lindt & Sprüngli), bin ich mit dem Fachvokabular sowie den Herstellungsprozessen bestens vertraut. Ich kann mich daher uneingeschränkt den Machenschaften der beiden Firmen widmen. Denn dass auch bei CacaoBest in Wirklichkeit nicht alles sooo sauber abläuft, wie auf dem Papier steht, wird klar, wenn immer wieder der Hinweis auf die Ethik-Regeln und das Saubermann/frau-Image kommt. Wäre alle Vorgänge wirklich so einwandfrei, müsste nicht dauernd daraufhin gewiesen werden. Das erinnerst stark an Politiker, die das Wort ehrlich und seine Abarten, in ihren Reden gefühlt in jedem zweiten Satz verwenden.
Die Verflechtung von Serafines Familie mit der von Matthis nimmt einigen Raum ein. Erst nach und nach werden die alten Verstrickungen offenbart. Wir Leser erfahren dabei einiges, ohne wie Serafine, körperlicher Gewalt ausgesetzt zu sein.
Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet. Nicht alle spielen mit offenen Karten. Neben Hermine ist Josef Pichler ein besonders ekeliges Exemplar. Er ist Frauen, im allgemeinen und Serafine im Besonderen, gegenüber, nicht nur in Worten übergriffig. Dass er sie ausnahmlos duzt, ist eine Grenzverletzung, die ich an Serafines Stelle nicht akzeptieren würde. Auch Edith Novak ist ein echtes Herzerl, wie man aus diesem Statement zum vermeintlichen Unfalltod von Emil Montalin ableiten kann:
Für Sie [also Serafine] ist es ein emotionaler Verlust, für mich ein wirtschaftlicher.
Schmunzeln musste ich über die KKPs, die Kakao-Kommunikations-Prinzessinnen, die kichernd in High Heels und pinkgewandet durch die Gänge stöckeln.
Über die Zuordnung in das Genre Kriminalroman ließe sich streiten. Für mich passt die Gewichtung zwischen Krimi und Serafines Nachforschungen zu ihrer Familiengeschichte ganz gut. Geschickt streut Dina Casparis Informationen zu Bestechung und Ausbeutung in den Anbaugebieten der Kakaobohnen in diesen Roman ein, die ja laut Edith Novak nur bei den anderen Firmen existieren.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Mix aus Krimi, Familiengeschichte und Einblick in die Herstellung von Schokolade 4 Sterne.