Für mich ein Jugendbuch, das nicht als solches ausgewiesen ist, aber Gut unterhält
Vier Freunde, ein Sommer, ein verschwundenes Mädchen, ein seltsamer Typ und das Meer, das hört sich fast wie Stoff für eine der berühmten Reihen der legendären Enid Blyton an - und genau diese Vibes habe ich in diesem Roman auch gespürtPierce ist zwölf Jahre alt, mit seinen Freunden Thomas und Bennie streift er verbotener aber tolerierter Weise auf Trikes über Perigo Island, hilft den Fischern beim ausnehmen des Fangs, verkauft Kabeljauzungen an Touristen und ist interessiert an Anna die wunderschöne Zeichnungen anfertigt. Als diese verschwindet, stellt er mit seinen Kumpels Mutmaßungen an. Sie wollen das Mädchen finden und haben auch schon eine Idee, wer Schuld an ihrem Verschwinden sein könnte. Eine Entführung? Oder gar ein Mord? Solomon gerät ins Visier, denn der ältere Mann ist noch nicht lange auf der Insel, ziemlich wortkarg und fährt in seinem Boot komische Knochen durch die Gegend. Sein Geheimnis muss gelüftet werden! Unterstützung erhalten die drei durch die New Yorkerin Emily, deren Mutter von der Insel stammt, aber mittlerweile in New York lebt und die Pierce mit ihrer forschen Art verzaubert.Hört sich ein bisschen an wie ein Abenteuerroman für Heranwachsende, oder? Ist es meinem Empfinden auch, wenn doch ein ziemlich Guter. Von Anfang an dachte ich an "Stand by me" dem eine gehörige Portion Julian, Dick, Anne und George beigemischt wurde. Gestört hat mich das nicht. Ab und an war die Story dialogmäßig doch etwas einfach gestrickt und man musste über die Naivität so manches Protagonisten lächeln, aber unterhalten hat mich das auf jeden Fall.Schuld daran ist vor allem die sensible Ebene, die durch Pierce transportiert wird. Konfrontiert mit Trauer und deren Verarbeitung bekommt der Plot Tiefe. Außerdem sind alle Hauptfiguren unglaublich sympathisch, sogar den ziemlich übergriffigen Thomas mochte ich sehr. Man merkt, dass sehr viele Erfahrungen des Autors verarbeitet wurden. Die Beziehungen der Kinder untereinander sind gut beschrieben. Die Auflösung der Geschichte hat mich tatsächlich berührt.Ganz im Hintergrund läuft die Landschaft Neufundlands vor meinem inneren Auge ab. Atmosphäre pur - inklusive Fischinnereien und Diesel. Chafe überzeugt mit Glaubwürdigkeit, was das Inselleben und auch die Entwicklung der Fischerei betrifft. So bekommt das Ganze nebenbei einen politisch - ökologischen Charakter.Ein toller Coming of Age Roman für zwischendurch. Perfekte Urlaubslektüre und große Empfehlung für alle, die auf der Suche nach etwas Leichtem mit Seegang und Tiefgang sind.