Karlsson investiert erst in seine Welt, bevor er sie dann in den Grundfesten erschüttert!
Dieses Buch hat mir die Luft genommen und mich in einem Zustand zurückgelassen, der jetzt wie Blöd auf den zweiten Band wartet, weil ich es nicht aushalten kann zu erfahren, wie die Story weiter geht! Ohne zu viel zu Spoilern, aber es bleiben schon noch ein paar kleine lose Enden... Aber erst mal von vorn. Wer ist eigentlich dieser grandiose Autor und was hat er hier geschrieben?In Norwegen kennt man Ørjan N. Karlsson nämlich schon seit zwanzig Jahren. Seit seinem Debütroman 2004 hat er über zwanzig Bücher geschrieben, allesamt Bestseller. In Deutschland war er bis vor Kurzem unbekannt und zum Glück (!!!) ändert sich das endlich! Die Geschichte beginnt mit einer Joggingrunde, von der Iselin Hanssen, 19 Jahre alt, nicht zurückkommt. Blutige Spuren auf einem einsamen Pfad deuten auf ein Unglück hin. Kriminalkommissar Jakob Weber und seine neu versetzte Kollegin Noora Yun Sande übernehmen den Fall. Als auf der abgelegenen Insel Røst eine weitere junge Frau verschwindet und zusätzlich noch ein Jahrzehnte alter ungelöster Fall dazu kommt, der erschreckende Ähnlichkeiten zum aktuellen aufweist, wird klar, dass das eine größere Sache ist. Was diesen Roman von vielen skandinavischen Thrillern unterscheidet, die denselben Baukasten benutzen, ist das Tempo. Und zwar eine ganz spannende Mischung aus super schnell und dann wieder zerreißend langsam... Ich kann es gar nicht richtig in Worte fassen, aber das Tempo der Geschichte passt einfach perfekt zum Inhalt und bringt einen beim Lesen manchmal fast um den Verstand! Auch die ruhige, genaue Figurenentwicklung und die atmosphärische Dichte sind wirklich fantastisch. Der Autor nimmt sich wirklich viel Zeit für seine Figuren und lässt einige Fragen lange unbeantwortet, was den Spannungbogen richtig straff spannt! Die kurzen und klar benannten Kapitel (jeweils aus der Perspektive einer Figur geschrieben) erzeugen ein perfektes Mosaik, das sich langsam zusammensetzt und so die Spannung kontinuierlich hoch halten.Wer sofortige Hochspannung und actionreiche Verfolgungsjagden erwartet, wird in den ersten Kapiteln noch nicht gepackt. Vielleicht auch gar nicht. Der Autor investiert in seine Welt, bevor er sie dann in den Grundfesten erschüttert. Wer das kennt und schätzt, wird wahnsinnig belohnt!Empfehlen würde ich es daher allen, die nordische Kriminalliteratur mögen und bereit sind, sich auf ein Setting einzulassen. Als Auftakt einer neuen Reihe, die in Norwegen bereits vier Bände stark ist, ist Kalt wie die Luft ein überzeugender Einstieg. Und der zweite Band für Herbst 2026 ist bereits angekündigt. Wer jetzt einsteigt, hat gerade noch Zeit. Aber wer dann nicht mehr warten kann, sollte erst in ein paar Wochen mit dem Buch hier starten, so dass der zweite Band dann direkt bereit liegt! :)Riesige Empfehlung!!!