Leo erzählt schonungslos von einem Leben, das von Anfang an von Gewalt, Angst und fehlender Geborgenheit geprägt war. Leo nimmt uns mit zurück in seine Kindheit, die überschattet wurde vom Alkoholkonsum und den Gewaltausbrüchen seines Vaters sowie dem Gefühl kein "normales" Familienleben zu haben.Auf der Suche nach Zugehörigkeit gerät er immer tiefer in verschiedene rechtsextreme Gruppen. Schritt für Schritt zeigt das Buch, wie leicht Menschen in solche Strukturen hineingezogen werden können.Besonders bewegend ist dabei Leos plötzliche Erkenntnis, dass Hass und Gewalt niemals die Antwort sein können. Und er schafft es aus der Szene auszusteigen.Die Geschichte wird in diesem Buch so erzählt, als würde mir Leo direkt gegenübersitzen und aus seinem Leben berichten. Dadurch wirkt alles unglaublich persönlich und nahbar.Manchmal war ich zwar kurz verwirrt, in welcher zeitlichen Abfolge ich mich gerade befinde, doch beim Weiterlesen hat sich alles schnell wieder zusammengesetzt. Gerade dieser Erzählstil macht das Buch authentisch und emotional greifbar und hat mir wirklich gut gefallen.Besonders spannend fand ich, dass Leo rückblickend das Gefühl hatte, sein ganzes Leben über von Gott begleitet worden zu sein. Sein tiefer Glaube entsteht jedoch erst nach seinem Ausstieg und nicht währenddessen, was ich eher vermutet hätte.Besonders eindrucksvoll fand ich, zu verstehen, aus welchen Gründen Menschen überhaupt in solche Szenen abrutschen können. Das Buch zeigt sehr deutlich, dass dahinter oft viel mehr steckt als bloßer Hass oder einfache Vorurteile ¿ nämlich die Suche nach Zugehörigkeit, Anerkennung und Halt.Daher gibt es von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Wenn man sich die Entwicklungen in Deutschland momentan anschaut, ist es bestimmt nicht verkehrt auch mal einen Blick hinter die Kulissen dieser Szene zu werfen