Cover & Klappentext
Das Cover passt perfekt zu der Geschichte, und zwar in vielerlei Hinsicht. Die Farbvielfalt und die Details spiegeln den Inhalt, sodass man sofort in die richtige Stimmung versetzt wird. Mir gefällt es.
Obwohl es auffälliger als das Cover von Band eins ist, ist die Zusammengehörigkeit eindeutig.
Der Klappentext wiederum wirkt in erster Linie wie eine Zusammenfassung des vorangegangenen Teils, daher hat er mich nicht sonderlich neugierig gemacht. Da ich aber auf die Fortsetzung gespannt war, fällt das nur geringfügig ins Gewicht.
Meinung
Nachdem die Armee der Dämonen die Grenze des Königreichs der Unsterblichen überwunden hat, droht die Welt endgültig vernichtet zu werden. Doch Àn'yng gibt nicht auf, um alle, die sie liebt, zu beschützen, obwohl die Kriegsmacht unbezwingbar scheint.
Dabei muss sie gleichzeitig auf ihr Herz achten, denn nicht nur Yù'chén, der Sohn ihres größten Feindes, und Hào'yáng, ihr langjähriger Beschützer, haben einen wichtigen Platz in ihrem Leben eingenommen.
Größtenteils aus Àn'yngs Sicht wird man durch das Geschehen geführt. Der Einstieg gelang mir erstaunlich leicht, obwohl das bei Fortsetzungen nicht immer der Fall ist. Hier hat die Autorin diverse Hinweise gestreut, um die Erinnerungen zu aktivieren, was toll gelungen ist, auch ohne eine Zusammenfassung der vorangegangenen Geschehnisse.
Erneut überzeugt der Schreibstil, der einerseits leichtgängig sowie geschmeidig ist, aber auch eine eigene Note besitzt. Hier wird, wie es den Geschichten aus Fernost oftmals zu eigen ist, viel mit Farben gearbeitet, sodass die Handlung genauso bunt wirkt wie das Cover. Das ist großartig, was das Leseerlebnis noch mal gesteigert hat.
Àn'yng hat mich auch im Finale für sich eingenommen. Dabei ist mir erst jetzt richtig aufgefallen, wie sehr sie sich weiterentwickelt hat. Es geschah beinahe unmerklich, Schritt für Schritt, jedoch ohne ihre grundlegenden Wesenszüge zu verändern. Um bei der Farbvielfalt zu bleiben, ist sie wie eine Blume, die langsam erblüht.
Der Fokus liegt klar auf ihr, aber auch Yù'chén nimmt einen wichtigen Teil ein.
Allerdings ist er in der Fortsetzung in meinen Augen etwas untergegangen, was wohl eher Absicht war, aufgrund der Lage, in der er sich befindet.
Dafür konnte im Vergleich zu Band eins hier Hào'yáng mehr überzeugen.
Als hätten sich die Rollen vertauscht, lernt man ihn mehr kennen.
Er hat etwas Beständiges und Ruhiges an sich. Damit wirkt er deutlich verlässlicher als Yù'chén, obwohl dieser auch seinen Reiz hat.
Die Entwicklung der Handlung hat mir gefallen. Auch hier verliert sich die Autorin ab und an in ausufernden Beschreibungen, sodass einige Längen aufkommen, behält aber gleichzeitig die Darstellung der Gegensätze bei. Doch durch geschickte Spannungsspitzen, obwohl überraschende Wendungen eher ausbleiben, wird das Tempo regelmäßig angezogen. Gleichzeitig wurden Schlüsselszenen wunderbar herausgearbeitet, sodass man das Gefühlschaos, in dem sich Àn'yng befindet, gut nachvollziehen kann. So ergibt sich eine hohe Emotionalität.
Das Ende kam für mich etwas zu schnell. Nachdem der Krieg gegen die Dämonen jahrelang währt, wurde der Abschluss etwas zu idealisiert. Und zwar in allen Belangen. Das nimmt der Story etwas den Nachhall.
Dafür hatte ich nicht das Gefühl, plötzlich aus dem Geschehen geworfen zu werden, was mir schon des Öfteren negativ aufgefallen ist. Hier wird man sanft, wie auch in Band eins, hinausbegleitet.
Fazit
Ein würdiges Finale einer bildhaften und vielschichtigen Story, die mit diversen Besonderheiten überzeugt. Angefangen beim Schreibstil bis hin zu der Idee, der Umsetzung und der Protagonisten zeigt die Autorin, was in ihr steckt.
Wer von fernöstlicher Romantasy, die sich deutlich von der herkömmlichen unterscheidet, ebenso angetan ist, der ist hier definitiv richtig.
Ich vergebe vier von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung.