Dieser Krimi der Schweizer Autorin Annemarie Regez ist der vierte rund um Commissaria Roberta Casanova, die mit ihrer Frau, der Journalistin Julia und der gemeinsame Tochter Laura, eigentlich nur die Vorweihnachtszeit mit Schlittenfahrten verbringen will. Dazu gehört, dass auch Nicolas, Lauras leiblicher Vater, gemeinsam mit seinem neuen Liebhaber Oliviero eingeladen ist. Überraschenderweise mag die kleine Laura Oliviero nicht, was die beiden Mütter nicht zu bemerken scheinen.
Wenig später ist die angehende Weihnachtsstimmung vorbei, denn in Olivieros Rustico wird ein Toter gefunden. Dem ersten Anschein nach, hat der Mann Suizid begangen. Als dann Fremdverschulden festgestellt wird und DNA-Spuren von Nicolas an der Leiche zu finden, ist er natürlich der Hauptverdächtige, zumal er angibt, den Toten nicht zu kennen.
Also beginnt die Commissaria mit ihrem Team zu ermitteln und auch Julia Nachforschungen anzustellen, beide auf ihre eigene Art, die sie bis nach Zürich in eine Schwulenbar führen werden.
Dabei entdecken sie, dass Olivero nicht nur einmal die Unwahrheit gesagt hat. Ist Lauras intuitive Ablehnung berechtigt? Wie kommt Nicolas aus dieser toxischen Beziehung heraus?
Meine Meinung:
Dieser Krimi ist für mich der erste von Annemarie Regez, wird aber voraussichtlich gleichzeitig der letzte sein. Warum?
Irgendwie werde ich mit den Charakteren und der Story an sich nicht wirklich warm. Roberta ist mit Leib und Seele Polizistin, die Mutterrolle scheint ihr nicht so zu liegen. Ja, es hat sogar den Anschein, als wäre sie von Julia in diese Rolle hineingedrängt worden.
Zudem geht mir Nicolas mit seinem Gejammere über mehrere fehlgeschlagene Beziehungen auf die Nerven. Es gibt ebenso viele heterosexuelle Männer, die auf eine Vielzahl von gescheiterten Partnerschaften zurückblicken können (müssen). Vielleicht sollte Nicolas professionelle Hilfe suchen, um diese toxische Beziehung, die auch sein Umfeld in den Abgrund zu reißen droht, beenden?
Auch zahlreiche andere Zeitgenossen benehmen sich merkwürdig. Da ist neben Nicolas und Oliviero, die Nachbarin in Nicolas Wohnhaus, mit der Roberta noch eine Rechnung offen zu haben scheint oder der Barkeeper der Schwulenbar, der mehr weiß, als er zugibt. Ich persönlich finde ja, dass Roberta befangen ist und hier gar nicht ermitteln dürfte.
Meiner Meinung hätte es den zusätzlichen Handlungsstrang mit der homophoben und frauenfeindlichen Sekte als mögliche Spur nicht gebraucht. Ein lesbisches Paar mit Kind, ein schwules Paar mit mehrfach wechselnden Partnern sowie eine Ispettrice, die Probleme mit ihrer zukünftige Schwiegerfamilie hat - das alles auf nur 256 Seiten, wirkt auf mich irgendwie überfrachtet. Jedes Thema für sich alleine, fände ich interessant genug, um sich eingehend damit zu beschäftigen. So unterbrechen die Einblicke in die Gefühlswelt der Charaktere den eigentlichen Handlungsablauf.
Auch der Showdown zum Schluss wirkt auf mich sehr aufgesetzt und dadurch unglaubwürdig.
Ich kenne die drei Vorgänger nicht. Üblicherweise stört mich das nicht, weil Autorinnen und Autoren wichtige Eckdaten der Protagonisten geschickt in den aktuellen Fall einblenden und damit auf die Vorgeschichte(n) neugierig machen. Diesmal habe ich nicht das unbedingte Verlangen, die Vorgänger lesen zu müssen. Mir genügen die Informationen, die ich mir zusammenreimen kann.
Fazit:
Leider hat mich dieser Krimi nicht überzeugt. Daher reicht es nur knapp für drei Sterne.