Die Vorbereitungen der Schwestern vom Nachtschattenorden für das alljährliche Kräuterfest laufen auf Hochtouren. Sie hoffen, viele Fläschchen ihres legendären Melissengeists verkaufen zu können. Die Abtei St. Florence braucht dringend Geld für nötige Reparaturen am maroden Dach. Schwester Angelicas Schulfreundin Laura, eine Healthcare-Influencerin mit über sechzigtausend Follower hat ihre Unterstützung zugesagt und kommt zum Fest. Doch als sie den Melissengeist probiert, bricht sie vergiftet zusammen und ringt auf der Intensivstation des Krankenhauses um ihr Leben. Die Nonnen geraten unter Verdacht und der Markt wird ein Flop. Ihr Erzfeind, der widerwärtige Reverend Blythe triumphiert. Ist ihm doch die Beliebtheit der Nonnen ein Dorn im Auge. Er hofft, dass das Kloster an einen Investor, Stanley Puddleton, verkauft wird, der ein Wellnesshotel daraus machen will. Während der Vergiftungsfall noch untersucht wird, stürzt der Investor vom Glockenturm und stirbt. Mord, Unfall oder Suizid?
Katharina Schendel startet mit "Cornwall Crimes: Das Rätsel von St. Florence" eine neue Reihe. Der Cosy Crime mit den klösterlichen Hobbydetektivinnen hat mich kurzweilig unterhalten.
Statt mit Andacht und Besinnung müssen sich die Nonnen mit irdischeren Dingen beschäftigen. Um sich vom Verdacht der Giftmischerei und Mordlust zu befreien, beschließen sie selbst zu ermitteln. Es ist bewundernswert, wie die Drei zusammenhalten und allen Widrigkeiten trotzen. Trotz aller Sorgen vernachlässigen sie dabei Barmherzigkeit und Güte nicht, zwei ihrer besonders liebenswerten Eigenschaften. Sie gewähren dem Unfallopfer Oliver Peacock Obdach. Immerhin haben sie mit dem für ihren Fall zuständigen Chief Inspector Bishop Glück, der sich zu Blythe Entsetzen als weiblich entpuppt und für die Vorurteile des Reverends nichts übrig hat.
Katharina Schendel hat mit ihren Nachtschattenschwestern sympathische und kreative Protagonistinnen erdacht. Obwohl sie sich vom Alter und beruflichen Werdegang her sehr unterscheiden, halten sie fest zusammen und glauben unbeirrbar an die Unterstützung ihrer Ordensgründerin Mordred. Marguerite, Angelica und Rosemary sind zwar nicht immer einer Meinung, vor allem wenn es um Rosemarys literarische Lieblingsfigur Flambeau geht, aber sie können sich aufeinander verlassen und erlauben es dem intriganten Reverend nicht, Zwietracht zwischen ihnen zu säen. Ihre Gespräche haben mich mehrmals zum Schmunzeln gebracht. Auch die anderen Charaktere, vor allem die Bewohner des Küstendorfes Hollyhock wirken authentisch.
Leider kommt das Lokalkolorit etwas zu kurz, dafür entschädigt die teils düstere, stets etwas geheimnisvolle Atmosphäre, die im Kloster und dem zugehörigen Garten herrscht. Schließlich wird nach einem weiteren Todesfall das Verbrechen logisch aufgeklärt. Der Kriminalfall weist teilweise skurrile Züge auf, aber alle offenen Fragen werden beantwortet.
Jetzt kann wieder Ruhe in die Abtei einkehren. Die Schwestern und ihr Klostergeist sind entlastet. Mit ihren charmanten Vierbeinern Graugans Poppy und Airdale Terrier Pater Ambrosius bilden sie eine verschworene Gesellschaft.
Nicht ganz verstanden habe ich, warum Rosemary sich ausgerechnet den Trickdieb und späteren Privatdetektiv Hercule Flambeau als Idol ausgesucht hat. Zwar ist dieser durchaus charmant, kommt aber nie über die Rolle eines unterstützenden Helfers des überragenden Detektivs Pater Brown hinaus.
Jedem Fan von Cosy Crime mit stimmungsvollem Ambiente, einer ordentlichen Prise Humor und liebenswerten Ermittlerinnen kann ich dieses Buch empfehlen. Beim nächsten Fall werde ich wieder dabei sein.