Killing Made Easy von Rebecca Philipson ist ein Thriller, der schon mit seiner ungewöhnlichen Grundidee sofort meine Aufmerksamkeit hatte: Ein Mann behauptet, der erfolgreichste Serienkiller aller Zeiten zu sein und beschließt ausgerechnet, sein Wissen in Form eines Ratgebers weiterzugeben. Allein diese Idee ist so makaber und gleichzeitig faszinierend, dass ich unbedingt wissen wollte, was die Autorin daraus macht.
Der selbst ernannte Serienkiller Denver Brady veröffentlicht im Internet einen Ratgeber, in dem er seine angeblichen Erfahrungen weitergibt. Als schließlich ein Mädchen ermordet wird, das dieses Buch besessen hat, übernimmt DI Samantha Hansen die Ermittlungen. Plötzlich stellt sich nicht mehr nur die Frage, wer Denver Brady wirklich ist, sondern auch, welche Auswirkungen seine Veröffentlichung haben könnte. Dabei möchte ich gar nicht mehr über die Handlung verraten, denn gerade das Rätseln und die Unsicherheit machen für mich einen großen Teil des Reizes aus.
Besonders gut gefallen hat mir die ungewöhnliche Ausgangslage. Serienkiller gibt es in Thrillern natürlich mehr als genug, aber die Idee, einen Täter sein vermeintliches Wissen öffentlich weitergeben zu lassen, bringt einen interessanten neuen Ansatz mit. Gleichzeitig entsteht dadurch eine unangenehme Frage: Was passiert, wenn solche Inhalte die falschen Menschen erreichen?
Der Schreibstil liest sich angenehm flüssig und sorgt dafür, dass man schnell durch die Geschichte kommt. Gerade bei Thrillern mag ich es, wenn ich nicht das Gefühl habe, mich durch lange Passagen kämpfen zu müssen, sondern immer noch ein Kapitel weiterlesen möchte. Hier hat das für mich gut funktioniert.
Auch Samantha fand ich als Ermittlerin interessant. Sie ist keine unerschütterliche Superermittlerin, die jedem anderen immer drei Schritte voraus ist. Der Fall setzt sie zunehmend unter Druck und auch sie selbst trägt Dinge mit sich herum, die sie nicht unbedingt offenlegen möchte. Dadurch bekommt die Geschichte neben der eigentlichen Jagd nach dem Täter noch eine zusätzliche persönliche Ebene. Dass laut Verlagsbeschreibung nicht nur Denver etwas zu verbergen hat, sorgt dabei von Anfang an für zusätzliches Misstrauen.
Überhaupt mochte ich dieses ständige Gefühl, dass man noch längst nicht alle Informationen besitzt. Wer erzählt die Wahrheit? Was steckt tatsächlich hinter dem angeblichen Ratgeber? Und wer hat hier eigentlich die Kontrolle? Solche Thriller machen mir besonders viel Spaß, weil ich automatisch beginne, eigene Theorien aufzustellen und jedes kleine Detail zu hinterfragen.
Die Geschichte ist stellenweise düster und unangenehm, besitzt durch ihre ungewöhnliche Grundidee aber gleichzeitig einen makabren Unterton. Gerade dieser Kontrast hat Killing Made Easy für mich von einem gewöhnlichen Serienkiller-Thriller abgehoben.
Natürlich muss man sich auf die Thematik einlassen können. Mord, Serienkiller und die Faszination, die solche Täter auf manche Menschen ausüben, stehen deutlich im Mittelpunkt. Wer mit solchen Themen Schwierigkeiten hat, sollte das vor dem Lesen bedenken. Wer dagegen gerne düstere Thriller liest und es mag, wenn Täter und Ermittler sich ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel liefern, dürfte hier auf seine Kosten kommen.
Killing Made Easy ist für mich ein spannender und vor allem ungewöhnlicher Thriller, dessen größte Stärke in seiner makabren Ausgangsidee liegt. Ein Serienkiller, der sein Wissen mit der Welt teilen will, eine Ermittlerin unter wachsendem Druck und jede Menge offene Fragen ergeben eine Geschichte, bei der man unbedingt herausfinden möchte, was tatsächlich dahintersteckt. Besonders das Spiel mit Geheimnissen und der Frage, wer hier eigentlich wen jagt, hat mir gut gefallen.
Von mir bekommt Killing Made Easy 5 von 5 Sternen.