Schon beim Titel Die kostbarsten Wörter der Welt von Iacopo Melios Buch kann man stutzen: Wann gilt ein Wort als kostbar? Melios Sicht darauf erfährt man in der Einleitung. Dort erläutert er, dass jede Sprache eine Art Schatzkiste ist gefüllt mit verborgenen Bedeutungen, Spiegel einer kollektiven Seele, quasi der Kultur und Erfahrungen eines Volkes. Und deshalb gebe es Worte, die ganz spezifische Empfindungen ausdrücken, die allerdings nur Sprechern dieser Sprache ersichtlich sind weil sie in deren Sprache und Gefühlswelt existieren. Dann gebe es wieder universelle Gefühle, die man verstehe, auch wenn man das Wort nicht verstehe. Das Ziel dieses Buches sei es, diese seltenen und großartigen Worte aus unterschiedlichen Sprachen vorzustellen mitsamt der von ihnen ausgedrückten Gefühle und Erfahrungen.
In der Tat bekommt man sodann albanische, belarussische, isländische, türkische oder walisische Wörter oder solche aus dem Sanskrit vorgestellt, die genau das oben Beschriebene leisten: Man stutzt bei manchem Wort, manches wird man vielleicht sogar kennen, weil man der Sprache mächtig ist oder es in anderem Kontext kennengelernt hatte (etwa Serendipity oder Ubuntu), bei anderen fragt man sich in der Tat, warum die eigene Sprache für die durch ein Wort beschriebene Erfahrung keinen Ausdruck hat (etwa Sankofa grob für aus der Vergangenheit Gelerntes in der Gegenwart anwenden). Das ist vielfältig und abwechslungsreich, doch sicherlich ist Die kostbarsten Wörter der Welt kein Buch, das man in einem Rutsch liest, aber auch nicht direkt ein Wörterbuch (auch wenn Melio es so nennt) im Sinne eines klassischen Nachschlagewerkes, sondern vielmehr eines, für das offenbar keine exakte Bezeichnung existiert, für ein Buch, in dem man schmökert, sich wundert, was Sprachen leisten, wie sehr sie mit der Kultur ihrer Sprecher verbunden sind, wie generell sie dabei auch sind, letztlich hängt man bei der Lektüre oftmals seinen Gedanken nach. Alles in allem für Sprachgegeisterte eine schöne Lektüre!