Im Jahr Null, Reportage aus der Antike von Moritz Aisslinger, Ullstein Ebooks
Rom Ägypten und ein Prophet aus Palästina und der Leser ist live dabei.
In den Jahrzehnten um die Zeitwende verdichtete sich die Weltgeschichte so sehr, dass es noch heute nachhallt. In Rom z.B. erhebt sich Augustus zum ersten Kaiser. In China träumt ein schüchterner junger Mann von einer sozialistischen Utopie. Kleopatras Tochter wird als Kriegsbeute von Alexandria nach Italien verschleppt. Der Dichter Ovid wird zur Stimme einer neuen Generation und Vergil kündet an, ein Erlöser werde kommen, ein Mensch, gottgleich.
Das Buch besteht aus vielen Kapiteln die sich in Jahre gliedern, es beginnt im Jahre 29 v. Chr. Und endet 34 Jahre nach der Zeitwende. Die einzelnen Kapitel haben einen, den Inhalt zusammenfassenden Titel, einen Ort und eine Zeitangabe. Am Anfang sind zwei Weltkarten eingefügt, die die Orte der Handlung zeigen. Im Anhang findet man ein Personenverzeichnis, eine kurze Darstellung der wichtigsten Personen. Danach umfangreiche Literatur- und Quellenangaben, die dem Autor eine umfangreiche Recherche bestätigen.
Dieses Buch liest sich wie eine Reportage, aus etwa 60 Jahren um das Jahr Null. Und der Leser ist unmittelbar dabei. Der Autor versetzt den Leser mitten hinein in eine Zeit in die unsere Zeitrechnung begann. Ich habe mich des Öfteren mit Literatur aus der Antike, Geschichtsbüchern und Biografien der hier erscheinenden Figuren beschäftigt. Doch die Weise, wie es der Autor hier dem Leser präsentiert, ist eine ganz andere Herangehensweise. In Geschichtsbüchern findet man Beschreibungen über Völker, Personen oder Länder. Doch hier in diesem Buch beginnt der Autor ab einem bestimmten Zeitpunkt (29 v. Chr.) zu berichten, und lässt verschiedene Figuren, Geschehnisse etc. vorbeiziehen. Ein Jahr nach dem anderen wird unter die Lupe genommen, bildhaft und in moderner Sprache geschrieben, geht ein Jahr ums andere. Dabei berichtet der Autor z. B. was zur selben Zeit in China Rom, Germanien oder anderswo geschieht. Auch im Weltall (Kometen, Sonnenfinsternisse). Die Erzählung schreitet also chronologisch voran. Diese Art Geschichte zu erleben, war neu für mich und außerordentlich faszinierend, der direkte Vergleich der Kulturen, Wissensstand oder Zeitgeist ist greifbar. Die Geschehnisse werden nicht selten in Zusammenhang gebracht. Mir hat z.B. gefallen zu erfahren was in China passierte, als Arminius in der Varusschlacht die Römer vernichtend schlug.
Als Lehrbuch kann dieses Buch nicht angesehen werden, ich würde es als Reportage einer Epoche bezeichnen, der Autor bestätigt auch, dass er so anschaulich und zugänglich schreibt wie es ihm möglich ist, denn keiner weiß, auch er nicht, wie es sich wirklich zugetragen hat.
Mich hat das Buch sehr gut unterhalten. Vieles, das ich kannte, ist hier in Verbindung gebracht worden. Der Autor hat gefällig und unterhaltsam geschrieben. Von mir eine Leseempfehlung und 5 Sterne.