Worum gehts:
Sophie Roth ist eine gut ausgebildete Fotografin, die sich mit erheblichen Schwierigkeiten von ihrem langjährigen Lebenspartner getrennt hat. Sie ist weggelaufen. Die andauernden Manipulationen und das Gefühl, niemals gut genug zu sein, verhalfen ihr zu diesem Schritt.
Nun sollte sie sich frei fühlen.
Aber nein, seit den ersten Minuten ihrer Flucht hat sie das Gefühl, beobachtet zu werden.
Die kommenden Ereignisse versucht sie rational als nicht vorhandene, reale Bedrohungen abzutun. Bald wird sie mit dem wahren Hintergrund ihrer Gefühle konfrontiert werden. Wird Sophie daraus gestärkt herausgehen oder werden aus Ängsten lebensbedrohliche Situationen?
Das Cover ist thematisch passend kreiert worden und hat definitiv mit zu meinem Interesse beigetragen. Der tiefere Sinn dahinter ist mir erst später aufgrund der Story-Entwicklung aufgefallen.
Meine Lesereise:
Ich kenne den Namen der Autorin von der Grenzfall-Krimiserie.
Allerdings habe ich noch nie ein Buch von ihr gelesen. Dieser Roman ist also mein erster.
Mit viel Spannung hatte ich schon die Leseprobe gelesen und war beeindruckt von der schnellen, spannenden Erzählweise, die sich dort vor mir auftat. Das Buch wurde in relativ kleine Kapitel unterteilt. Dem einen Leid, des anderen Freud...
Mir gefällt diese Art der Einteilung, es gibt aber sicher auch Leser, die mir dabei nicht zustimmen würden.
Die Hauptprotagonistin ist in dieser Erzählung genau das: die Hauptperson. Dies zeigt sich auf zwei Ebenen: In der ersten ist Sophie sich selbst und ihren Gefühlen absolut nah und auch verwirrt, die zweite ist Sophies Wahrnehmung aus der Fremdperspektive.
Es gelingt der Autorin, ein solides Fundament der Umstände rund um Sophies Leben zu zeichnen. Die anderen in ihrem Leben wichtigen Personen werden zwar vorgestellt und wenn nötig weiterentwickelt, es ergibt sich hier aber kein weiterer Story-Schwerpunkt.
Im Zentrum steht Sophie, ihre Kindheit und ihre Erinnerungen aus frühester Kindheit.
Dieser Roman steht nicht für große, spannende Momente, eher spielen die leisen Töne ihrer Erinnerung und kindlichen Verletzungen immer lauter eine getragene Melodie die des Erinnerns und das Fallen des imaginären Gedächtnisvorhangs.
Ziemlich zu Beginn der Geschichte hatte ich eine Vermutung, in welche Richtung mich die Schriftstellerin schlussendlich führen würde.
Aber eben war der Gedanke da und schon war er wieder verblasst.
Insgesamt besticht das Buch mit seinem klar verständlichen Erzählstil einer Geschichte, die sich alles andere als klar hauptsächlich für die Protagonistin entpuppt.
Mein Fazit:
Um diesen Roman wirklich schätzen zu können, musste ich mich auf das eigentliche Thema bzw. die gezielte Themasuche in meinen Gedanken begeben.
Das Erzählte könnte in der einen oder anderen Form bei Lesern eigene kindliche Erfahrungen triggern.
Sind doch Sophies Erlebnisse sicher für den einen oder anderen aus der Leserschaft nachvollziehbar bzw. haben diese sie selbst erlebt.
Es gelingt der Autorin, mich immer weiter in Sophies Gedankenkarrusell mitfahren zu lassen.
Obwohl Sophie vielleicht viele Entscheidungen trifft, die ich anders machen würde, ist die Kernstory in großem Maße sicher mit Realitäten echter Menschen vergleichbar.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen und konnte einige meiner eigenen Lebenserfahrungen während des Lesens spiegeln.
Einziger Kritikpunkt sind einige Ungereimtheiten, die sich durch das Buch zogen und den einen oder anderen offenen Gedankenfluss beeinträchtigt oder versiegen ließen.
Der Genre-Sprung von Kriminalromanen zu dem des Romans ist hier gut gelungen. Ich gebe aber zu, dass ich zu Beginn, da die Autorin ja für ihre Krimireihe bekannt ist, mehr Tempo und Spannung erwartet habe.
Da habe ich mir und meiner Erwartung sozusagen ein mentales Bein gestellt. Es handelt sich eher um einen dramatischen Roman, der viele Lebenserfahrungen spiegeln kann.
Ich vergebe gute 4 ****Lesesterne und empfehle diesen Roman allen, die gern tiefer schürfenden Lesestoff konsumieren möchten.
Viel Food for Thought wird hier definitiv geliefert...