Be a Light in the Dark Sea 1 von SoftCoral ist der Auftakt einer koreanischen Sci-Fi-Survival-Light-Novel-Reihe und allein das Setting hat mich sofort neugierig gemacht. Eine Forschungsstation 3000 Meter unter der Meeresoberfläche, kilometerweit entfernt von jeder Hilfe und umgeben von nichts als Wasser, viel klaustrophobischer kann eine Geschichte eigentlich kaum beginnen.
Im Mittelpunkt steht Park Mu-hyun, ein eher zurückhaltender Zahnarzt, der auf einer internationalen Unterwasserstation eigentlich auf ein ruhigeres Leben hofft. Doch als die Station zur tödlichen Falle wird und das letzte Rettungsboot bereits fort ist, geht es plötzlich nur noch ums Überleben. Mehr möchte ich über die Handlung gar nicht erzählen, denn gerade bei dieser Geschichte macht es unglaublich viel Spaß, möglichst ahnungslos gemeinsam mit Mu-hyun herauszufinden, was dort unten eigentlich vor sich geht.
Das absolute Highlight war für mich das Setting. Die Vorstellung, 3000 Meter unter dem Meer eingeschlossen zu sein, hat schon etwas extrem Beklemmendes. Man kann nicht einfach nach draußen fliehen. Über einem befinden sich unvorstellbare Wassermassen und innerhalb der Station werden die Möglichkeiten immer begrenzter. Dadurch entsteht eine ganz eigene Art von Spannung.
Besonders gut funktioniert dabei, dass Mu-hyun eben kein typischer Actionheld ist. Er ist Zahnarzt und plötzlich mit einer Situation konfrontiert, auf die er überhaupt nicht vorbereitet ist. Genau das fand ich unglaublich interessant, weil man nicht automatisch davon ausgehen kann, dass er für jedes Problem sofort die perfekte Lösung parat hat. Stattdessen muss er sich orientieren, Entscheidungen treffen und irgendwie versuchen, mit einer Situation klarzukommen, die vollkommen außer Kontrolle geraten ist. Überhaupt hat mir die Charakterentwicklung sehr gut gefallen.
Besonders spannend fand ich die Fragen, die unweigerlich beim lesen auftreten: Wem kann man vertrauen, wenn plötzlich jeder um sein eigenes Leben kämpft? Wie weit würde man selbst gehen? Und was passiert mit einer Gruppe von Menschen, wenn Angst, Misstrauen und Verzweiflung immer größer werden? Genau diese zwischenmenschliche Komponente hat für mich mindestens genauso viel Spannung erzeugt wie die eigentliche Gefahr. Die Bedrohung kommt eben nicht nur von außen. Je länger man sich in dieser abgeschotteten Umgebung befindet, desto deutlicher wird, dass Menschen unter extremem Druck selbst ziemlich unberechenbar werden können.
Auch die Atmosphäre hat mich richtig gepackt. Die Geschichte fühlt sich stellenweise unglaublich klaustrophobisch und bedrückend an. Enge Korridore, künstliches Licht und irgendwo dahinter diese gewaltige Dunkelheit des Ozeans. Beim Lesen konnte ich mir die Umgebung richtig gut vorstellen. Und allein der Gedanke daran, wie weit entfernt die Oberfläche ist, hat bei mir schon für ein ziemlich unangenehmes Gefühl gesorgt.
Gleichzeitig ist Be a Light in the Dark Sea keine Geschichte, die nur von ihrem ungewöhnlichen Schauplatz lebt. Nach und nach kommen Geheimnisse, Misstrauen und moralisch schwierige Entscheidungen hinzu. Dadurch wollte ich ständig wissen, was als Nächstes passiert und welche Konsequenzen eine Entscheidung vielleicht noch haben wird.
Der Schreibstil hat mir ebenfalls gut gefallen. Obwohl die deutsche Ausgabe mit 496 Seiten nicht gerade dünn ist, hatte ich nicht das Gefühl, mich durch die Geschichte kämpfen zu müssen. Gerade wenn die Situation eskaliert, entwickelt das Buch einen richtigen Sog und man möchte eigentlich nur noch wissen, wie Mu-hyun aus der nächsten scheinbar aussichtslosen Lage herauskommen soll.
Trotz der vielen gefährlichen Situationen mochte ich besonders, dass hinter dem Survival-Aspekt immer wieder die Figuren hervortreten. Angst, Vertrauen, Zusammenhalt und die Frage, wie viel Menschlichkeit einem in einer Extremsituation bleibt.
Be a Light in the Dark Sea 1 ist für mich ein richtig spannender Auftakt mit einem Setting, das ich so noch nicht oft gelesen habe. Eine Unterwasserstation in 3000 Metern Tiefe, eine Katastrophe, Menschen im Ausnahmezustand und immer mehr Geheimnisse, funktioniert für mich richtig gut. Wer Geschichten mag, bei denen die Figuren in einer scheinbar ausweglosen Situation ums Überleben kämpfen und man gleichzeitig nie genau weiß, wem man eigentlich vertrauen kann, sollte sich diese Reihe definitiv einmal genauer anschauen.
Von mir bekommt Be a Light in the Dark Sea 1 4 von 5 Sternen.