Jenseits von Gut und Böhme von Adrian Draschoff hat mich allein mit seiner ungewöhnlichen Idee sofort neugierig gemacht. Ein Cosy Crime mit Geistern, Cold Cases und einer eher unfreiwilligen Ermittlerin? Das klang nach genau der Art von etwas anderem Krimi, die zwischen all den klassischen Mordermittlungen richtig schön herausstechen kann.
Im Mittelpunkt steht Friedel Böhme, die nach einem ziemlich außergewöhnlichen Zwischenfall plötzlich Geister sehen kann. Und ausgerechnet die scheinen der Meinung zu sein, dass Friedel genau die Richtige ist, um ihnen bei einigen ungelösten Angelegenheiten zu helfen. Gemeinsam mit der jungen Kommissarin Salima entsteht dadurch ein ziemlich ungewöhnliches Ermittlerduo. Mehr möchte ich über die Geschichte aber eigentlich gar nicht erzählen, denn gerade die einzelnen Fälle und alles, was sich daraus entwickelt, sollte man selbst entdecken.
Was mir besonders gefallen hat, ist der Humor. Das Buch nimmt seine Kriminalfälle durchaus ernst, schafft es aber gleichzeitig immer wieder, mit trockenem und teilweise herrlich schwarzem Humor für Leichtigkeit zu sorgen. Gerade Friedels Art hat mich dabei immer wieder zum Schmunzeln gebracht.
Überhaupt ist Friedel eine Protagonistin, die man nicht unbedingt jeden Tag in einem Krimi bekommt. Sie ist eigenwillig, direkt und nicht gerade begeistert davon, plötzlich in diese ganze Sache hineingezogen zu werden. Genau das macht sie aber so sympathisch. Sie hat ihre Ecken und Kanten und wirkt dadurch herrlich authentisch. Auch die Kombination mit Salima funktioniert richtig gut. Die beiden könnten unterschiedlicher kaum sein und gerade daraus entsteht eine Dynamik, die für mich einen großen Teil des Charmes der Geschichte ausmacht.
Und dann wäre da natürlich noch ein stoischer Kater als Sidekick, womit das Buch bei mir sowieso schon einige Pluspunkte sammelt.
Die übersinnlichen Elemente fand ich ebenfalls richtig schön eingebaut. Obwohl Geister eine wichtige Rolle spielen, wird daraus keine klassische Fantasygeschichte. Stattdessen verbindet Adrian Draschoff das Übernatürliche mit einem Krimi und lässt beides ganz selbstverständlich nebeneinander existieren. Das gibt dem Buch seinen ganz eigenen Charakter.
Gleichzeitig steckt hinter dem Humor durchaus eine ernstere und teilweise melancholische Seite. Schließlich geht es um Menschen, deren Geschichten nicht abgeschlossen wurden. Dadurch entstehen immer wieder überraschend berührende Momente. Gerade dieser Wechsel zwischen skurrilem Humor, Spannung und leiseren Augenblicken hat für mich sehr gut funktioniert.
Der Schreibstil liest sich angenehm locker und das Buch besitzt genau diese gemütliche Krimiatmosphäre, die ich mir bei einem Cosy Crime wünsche. Trotzdem bleibt genügend Neugier darauf, was hinter den jeweiligen Ereignissen steckt. Es ist weniger ein düsterer Thriller, bei dem man permanent den Atem anhält, sondern vielmehr eine Mischung aus Rätseln, Mitfiebern, Schmunzeln und Figuren, mit denen man gerne Zeit verbringt.
Jenseits von Gut und Böhme ist damit ein wunderbar ungewöhnlicher Cosy Crime für alle, die klassische Ermittlungen gerne mit einer ordentlichen Portion Skurrilität serviert bekommen. Die Kombination aus Cold Cases, Geistern, schwarzem Humor, einem ungewöhnlichen weiblichen Ermittlerduo und einem ziemlich gelassenen Kater hat einfach etwas Besonderes.
Von mir bekommt Jenseits von Gut und Böhme 4,5 von 5 Sternen.