Natürlich light - aber nur an der Oberfläche.
Inhalt: Doug wurde von Gwen verlassen, der Liebe seines Lebens. Doug ist am Boden zerstört. Nun schafft er sich für einen großen Haufen Geld eine Stella an, deren Gesichtszüge seiner Ex gleichen. Wenn die sich muckst, bekommt sie die ganzen negativen Vibes ab, die Doug noch immer für Gwen empfindet. Eine Stella ist ein weiblicher Roboter, Modelle werden von der Agentur ständig weiterentwickelt und Doug hat ein besonderes Modell, nämlich eines, das ohne Halsnaht auskommt und das er seinen Freunden deshalb als echte Freundin unterjubeln kann! Dieses Modell ist natürlich besonders teuer. Aber man gönnt sich ja sonst nichts! Es gibt sie in drei Ausführungen bzw. man kann sie in drei Modi schalten: der normale Stella Modus= gleich Haushaltsroboter, der Abigail Modus, etwas weiterentwickelte Stufe immer noch mit Haushaltsaktivitäten, aber auch Unterhaltungskultur = und der Kuschelhasen-Robot. Doug schaltet seinen Kuschelhasen-Annie Robot recht schnell in den Autodidaktmodus. Hin und wieder wird Annie auch gewartet, ist ja klar. Der Kommentar und das Leseerlebnis: Das Leseerlebnis wird dadurch zum Genuss, dass wir mit diesem Roman nicht mehr extrem weit weg von der Realität sind. Der Traum (fast) aller Männer könnte alsbald wahr werden: eine jederzeit sexuell verfügbare Partnerin mit Traummaßen, die nie widerspricht, deine Stimmung vorausberechnen kann, sich in allem auf dich einstellt, deren Aufgabe neben den sexuellen Aktivitäten es ist, dein Ego auf jede mögliche Art zu boosten. Die keine eigenen Wünsche hat. Sie zieht sich so an, wie du es willst, sie interessiert sich für deine Hobbies, sie kocht und putzt. Sie will nie ausgehen und verlangt keine Beteuerungen deiner Liebe. Ob du redest oder schweigst ist ihr egal - und sie gehorcht aufs Wort. Ach ja, Putzen. Das leidige Thema. Seit Annie im Autodidaktmodus ist, lässt sie den Haushalt schleifen. Was tut sie nur den ganzen Tag? Doug ist ein sexuell aktiver Mensch und es darf nicht verschwiegen werden, dass sich grob geschätzt zwei Drittel des Buches mit Sex beschäftigen. Es ist jedoch kein pornografischer Sex und es gibt lustige Komponenten dabei, doch wirklich! man kann den Roman also tatsächlich gut lesen. Pikant istdie unterlegte Misogynie. Nie angesprochen, nie ausgesprochen aber omnipotent: Die Frau in der Verfügungsgewalt des Mannes, die Frau unter dem Pantoffel, die Frau nur soweit selbständig, wie der Mann es zulässt, die Frau ohne Macht. Bestrafungspotential eingeschlossen. Seitens des Mannes. Sollte ja eigentlich nicht nötig sein, wenn die Frau so gehorsam ist. Aber ...Insoweit ist Annie Robot ein politisches und gesellschaftsrelevantes Buch. Es wird in Real Life längst an der Schraube gedreht. So viele Vereinigungen und Ideologien, die den Feminismus in seine Flasche zurückpressen wollen. Wenn nötig, mit Hochdruckluft! Und die KI ist auf dem Vormarsch. Auch wenn Elon Musk und Company vorrangig das Ziel haben, den Mars zu kolonisieren - als Nebenprodukt kann ich mir sehr gut Annie Robots en masse vorstellen. Zum Glück zuerst nur für die Superreichen. Denn Annie Robots sind enorm teuer. In Punkto Gleichberechtigung/Gleichwertigkeit der Geschlechter wäre dies ein fatales Signal - eine unglaubliche Schädigung. Erschreckend real ist die Entwicklung der KI schon heute. Erschreckend real die Bestrebungen, Frauen wieder in ihre Schranken zu verweisen. Gottes zweite Garnitur, wie Willi Heinrich einst seinen Roman genannt hat in Bezug auf die nicht weiße Bevölkerung so ist Gottes zweite Garnitur in den Köpfen vieler Männer weiblich. Die Technik hinkt noch hinterher. Aber auch die Biotechnik macht rasante Fortschritte. Fazit: Die Lektüre hat mir Spaß gemacht, doch wenn man weiterdenkt, bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Und das ist der Mehrwert. Vor ein paar Jahren noch hätte ich gesagt "Schund" - aber im Jahre 2026 mit der KI und der Biotechnik auf dem Vormarsch sieht das Ganze anders aus. Es ist möglich. Nicht heute, aber morgen. Kategorie: SFLiebeskind, 2026