Wunderbar und so traurig zugleich, einer der schönsten Liebesromane, die ich kenne.
Normalerweise lese ich quer durch alle Genres, einige stark vermehrt, wie z. B. Belletristik, Dystopien, Thriller und weniger Historisches oder Fantasy. Dabei vermeide ich immer Liebesromane, weil sie einfach nicht meins sind und nie waren. Es gibt natürlich Ausnahmen und dazu gehört Lily King. Ihre besondere Sichtweise auf ihre Figuren ist so untypisch, dass es eine wahre Freude ist. Seit Euphoria habe ich sie ins Herz geschlossen, denn dieser Roman war so einzigartig, wie ihr Schreibstil in den folgenden Büchern.Auch versteht sie es immer wieder, den Leser zu überraschen, denn nie geschieht das, was man erwartet. Und trotzdem wirkt alles so authentisch. Sie wird viel eigenes Erleben in ihre Figuren fließen lassen, möchte man vermuten.Worum geht es nun in Herz König?Jordan, die Protagonistin und Ich-Erzählerin begegnet in ihrer Studentenzeit zwei ungewöhnlichen Freunden: Sam und Yash. Beide dürfen während seiner Abwesenheit für kleines Geld im Haus eines Professors wohnen. Nun kommt Jordan, die Literatur studiert, oft zu Besuch in dieses besondere, ungewöhnliche Haus. Sie beginnt eine Beziehung mit Sam. Sam ist zwar hochbegabt, wie sein Freund Yash auch, hat aber enorme zwischenmenschliche Defizite, die schwer auszuhalten sind, sowohl für den geneigten Leser, wie natürlich auch für Jordan. Erst viel, viel später entwickelt sich Sam zum Positiven und wird ein wahrer Freund für Jordan, wie man nur selten welche findet.Ich könnte mir gut vorstellen, dass Lily King viel Autobiographisches verarbeitet in ihren Romanen. Hier im "Herz König" halt aus ihrer Studentenzeit, später im früher erschienenen Roman "Writers & Lovers" aus der beruflichen Zeit, mit den enormen Schulden, die amerikanische Studenten offensichtlich haben und mit denen sie erst fertig werden müssen.Der Titel "Herz König" stammt aus einem Kartenspiel der Studenten. Das Thema Spielkarten kommt bei LK häufiger vor.Später geht Jordan, unsere Protagonistin, völlig andere Wege, die hier nicht verraten werden können. Nur so viel, es geht um Trauerbewältigung, was so herzzerreißend geschildert wird, dass der Leser mitleidet. Und ich denke, dass es sich um real Erlebtes der Autorin oder mindestens einer engen Freundin handelt.Was ebenfalls zu Herzen gehend thematisiert wird, sind Männer, die sich nie festlegen mögen, vermutlich aus einer unbestimmten irrationalen Angst heraus, dass ihnen ihr Leben entgleiten könnte. Und sie dann zukünftig fremdbestimmt leben, jedenfalls zu einem gewissen Anteil. Dies scheint mir auch ein wiederkehrendes großes Thema bei der Autorin zu sein und etwas, das sie möglicherweise sehr belastet hat. Ob es auch Frauen gibt, die sich in Sachen Partnerschaft nicht festlegen mögen, entzieht sich meiner Kenntnis. Im realen Leben kenne ich keine.Eine unbestimmte Einsamkeit, wenn die ganze Schar der Studenten und der Professoren zu Weihnachten oder zu Ferienzeiten ausschwärmt und die Protagonistin allein auf dem Campus zurückbleibt, wird auch so seelenvoll geschildert, als ob man danebenstünde und die leblosen Fenster und Eingänge betrachtete.Fazit, da kann ich mich nur dem Wall Street Journal anschließen und zustimmen, sinngemäß "Dieser Roman ist direkt aus der Seele der Autorin auf die Seiten geflossen." Besser geht's nicht, deshalb vergebe ich 5 Sterne, hochverdient.