Eine vielschichtige Familiengeschichte erzählt Rebecca Fallon in ihrem Debütroman Was wir von ihr wissen.
Ihr Hauptthema ist das komplizierte Leben einer Schauspielerin, die als Star einer TV-Serie gefeiert wurde. Denn Susan Bliss ist gleichzeitig die Ehefrau eines Geschichtsprofessors und die Mutter der Zwillinge Viola und Sebastian, und diese alltägliche Rolle kann sie nur an Wochenenden übernehmen. Ihr Leben und ihre Liebe muss sie zwischen den beiden, und doch so unterschiedlichen Welten teilen.
Als Susan nach einer schweren Krankheit stirbt, sind die Zwillinge erst sieben, sie wissen nichts über die Schauspielkarriere ihrer Mutter. Ihr Vater Al, der Susan lieber in der Rolle als Mutter und Ehefrau gesehen hätte, beseitigt alle Hinweise auf ihre Berühmtheit als ein beliebter Star einer TV-Serie. Seine eigenwillige Entscheidung und die Art, wie er mit der Trauer umzugehen versucht, ist ein weiteres wichtiges Thema des Romans. Al vermittelt seinen Kindern ein unvollständiges, womöglich verzehrtes Bild ihrer Mutter, lässt sie im Ungewissen, verheimlicht einen Teil ihres gemeinsamen Lebens und riskiert, dass sie doch woanders die ganze Wahrheit erfahren können.
Und so geschieht es auch Jahre später, als die Zwillinge eigenen Wege gehen wollen: die heile Welt der kleinen Familie bekommt tiefe Risse und die Folgen des streng gehüteten Familiengeheimnisses wirken sich auf das Leben von Sebastian und Viola aus.
Viel Stoff zum Nachdenken bietet diese aufwühlende Geschichte. Nicht nur die Ansichten von Al in Bezug auf Susans Rolle als Ehefrau und Mutter irritieren. Auch seine Entscheidung Susans Beruf aus der gemeinsamen Familiengeschichte zu entfernen, hat mich schockiert. Hier konnte ich seine Beweggründe nicht nachvollziehen. Al Bliss, eine facettenreiche Figur des Romans, bleibt für mich bis zum Schluss etwas rätselhaft.
Rebecca Fallon erzählt diese Geschichte in kurzen Kapiteln, und springt dabei zwischen den Zeitebenen und Figuren. Sowohl die Thematik des Romans, wie auch seine Konstruktion erfordern ein aufmerksames Lesen. Die Geschichte hallt lange nach.
Ich habe den Roman gerne gelesen und empfehle ihn weiter.