Vor einiger Zeit habe ich Alles was wur nicht erinnern von Christiane Hoffmann gelesen. Da es mir sehr gut gefiel, war ich auch auf ihr neues Buch gespannt. Die Autorin erinnert sich an ihre Freundin, die ihr in der gemeinsamen Jugend, während des Studiums so nahe, so selbstverständlich war. Geheimnisvoll wurde sie erst durch ihren Tod, der zeitgleich mit dem Krieg zwischen Russland und Ukraine geschah. Wer war sie, die Freundin? Und was hat sie ihr gegenüber und überhaupt versäumt?Christine Hoffmann erzählt die Geschichte ihrer Freundschaft indem sie im Briefstil erzählt, wie sie zueinander fanden, was sie erleben, einzeln und gemeinsam, was ihre Freundschaft zusammenhält. Sie erzählt von getrennten Zeiten, Problemen, von Liebe und Hoffnung. Dabei spielt immer die Liebe zu Russland und der Ukraine eine Rolle. Diese Liebe scheint es auch zu sein, die die Autorin bewegt, die geschichtliche und politischen Ereignisse, besonders der jüngeren Zeit ausführlich zu schildern. Hier verlässt sie die Briefform und erzählt die Ereignisse, wie sie bekannt worden. Dies war mir häufig zu viel, zu abschweifend. Zum Titel "Die Träume die wir hatten, passt es, denn der Wunsch nach Demokratie und Freiheit für jeden Menschen durchzieht das Buch und dazu gehören politische Ereignisse. In den Passagen mit der persönlichen Erzählform, die sich direkt an die Freundin richten, erfährt man viel über deren Wesen und Leben. Das ist sehr interessant. Im Text erscheinen diese briefartigen Texte nahtlos, aber man kann sie gut auseinander halten. Man spürt dem Text ab, dass die Autorin noch nicht ganz fassen kann, dass die Freundin nicht mehr da ist. Sie hofft, mit Beendigung des Buches, käme die Freundin zurück. Doch gleichzeitig ist es ihre Art Abschied zu nehmen, sich zu erinnern und loszulassen.Viele Passagen haben mir richtig gut gefallen, andere waren zu ausufernd. Auf jeden Fall war dies eine interessante, informative, lehrreiche Erfahrung, eine Geschichte von echter Freundschaft, dauerhaft und beständig im Kontext aktueller Ereignisse. Vieles habe ich erkannt, mich an Personen erinnert, zB an Peter Urie oder Memorial, mitgelitten und um verlorene Hoffnungen getrauert. Auf die Frage, was die Freundin und sie verbunden hat, gibt sie die Antwort, dass dies Russland, der Abgrund und der Humor sei.Ein schönes Buch.