Etwas schief geratene Bildhafte Sprache und seltsame Hauptfiguren.
"Die Austernfischerin" von Celine Edinger ist mal wieder so ein Buch, bei dem ich mir wünsche, es nicht rezensieren zu müssen - denn egal wie es ankommt, eine "echte" Schriftstellerin hat ganz sicher viel Zeit und Herzblut in ihr Werk investiert, und es fühlt sich schal an, das dann so negativ zu beurteilen. Andererseits finde ich es aber auch nicht fair, einfach nichts zu sagen - immerhin habe ich ja auch meine Zeit aufgewendet, das Buch gelesen und mich mit dem Inhalt auseinandergesetzt.Nun, was bleibt mir also von der Lektüre der "Austernfischerin", warum habe ich das Buch überhaupt gelesen? Ich muss zugeben, mich haben der Klappentext sowie kurze Kritiken, die ich beim raschen googeln gefunden habe sehr angesprochen. Zudem ist das Buch nicht lang - Bücher zwischen 150 und 250 Seiten finde ich sehr angenehm.Relativ schnell nach dem Anfang wurde mir aber klar, dass das Buch und ich keine Freunde werden. Celine Edingers Schreibstil ist eigentlich sehr angenehm, auch wenn viele Beschreibungen in dem Buch arg gesucht bildhaft auf mich wirken - ein etwas krampfhafter Versuch, Poesie zu erzeugen (beispielsweise "der Übergang von Schlaf zum Wachsein ist dickflüssig wie Honig", oder "Die Zeit verschwimmt wie Aquarellfarbe"). Wovor ich mich stellenweise richtig geekelt habe waren die ständigen Beschreibungen von Gerüchen, mit Vorliebe wonach der Atem anderer Menschen roch, oder sonstige Körpergerüche. Überhaupt, wahnsinnig viele Sinneseindrücke, aber dafür ein völlig flaches Bild der Menschen und Umgebung der Protagonistin, das ist seltsam.Ich empfinde auch Lydia, die Hauptfigur des Buches als unangemessen weltfremd und unsicher, und gleichzeitig sehr unsympathisch. Parallel dazu werden ihr Freund Hendrik und dessen Kumpel August als irgendwie einach hohle, typische 08/15-Kerle dargestellt, obwohl sie ganz normale freundliche junge Männer zu sein scheinen. Auch Hendriks Mutter Elna kommt immer irgendwie leidend daher. Es herrscht stets der unterschwellige Vorwurf, Hendrik würde seine Mutter von oben herab behandeln und ignorieren, doch im Verlauf des Buches wird klar, dass vielmehr Elna Hendrik eigentlich mies behandelt. Und das wirklich unappetitliche ist dann, dass Elna sich einfach an die Freundin ihres Sohnes ranmacht. Ich blieb bei der Lektüre hier mehr als einmal am Gedanken hängen, wie würde dieses Buch wohl aufgenommen, wenn es nicht die Mutter sondern der Vater gewesen wäre, der die Freundin des Sohnes verführt? Zugegebenermassen bleibt sehr vieles immer ungesagt und schwebt einfach nur mit im Raum, es ist nicht explizit - aber das was in den Kritiken teilweise als "zarter" Roman beschrieben wurde empfinde ich einfach nur als unangemessen.Achtung kleiner Spoiler: gegen Ende der Erzählung gibt es einen Plottwist, der für mich wirklich unerwartet kam, und der einen zum Nachdenken über viele bisher nicht beachtete Erklärungen und Alternativen bringt. Das halte ich für einen sehr gelungenen Teil. Was dann aber gleich wieder schade ist - kurz danach ist das Buch zu Ende, und dem Leser bleibt nichts als sich selber eine Erklärung zu bauen. Man hätte hier so wunderbar die ersten 80% des Romans um mindestens die Hälfte kürzen und nach diese Twist die handelnden Figuren in ganz anderem Licht erscheinen lassen können, das hätte sehr viel Potential gehabt. So aber bleiben für mich die Prioritäten falsch gesetzt, und die Lektüre hat sich für mich nicht gelohnt.Ich habe das Buch als E-book über eine Bücherplattform zur Verfügung gestellt erhalten, vielen Dank dafür.