Ein wichtiges Buch, das mir an manchen Stellen zu einseitig ist
Deutschland 2033 hat mich beschäftigt und teilweise auch erschreckt. Das Szenario, das Justus Bender entwirft, wirkt gerade deshalb so beklemmend, weil der Abbau demokratischer Strukturen hier nicht plötzlich und spektakulär geschieht, sondern Schritt für Schritt. Ich halte das Buch für wichtig und würde es jedem empfehlen, der sich mit der aktuellen politischen Entwicklung auseinandersetzen möchte.
Besonders interessant fand ich die Frage, warum die AfD immer mehr Zustimmung bekommt und was getan werden könnte, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Bender liefert dazu einige Denkanstöße und Lösungsvorschläge, bei denen ich mir allerdings die Frage stelle, wie viel davon tatsächlich bei den politisch Verantwortlichen ankommen wird.
An manchen Stellen war mir die Ursachenanalyse zu einseitig. Insbesondere die starke Gewichtung des Internets und der sozialen Medien greift für mich zu kurz. Natürlich spielen sie eine große Rolle bei Radikalisierung, Desinformation und der Verbreitung einfacher Parolen. Gleichzeitig darf man aber die Unzufriedenheit vieler Menschen und die Fehler der etablierten Parteien nicht ausblenden. Auch die aktuelle politische Reaktion auf deutliche Wahlergebnisse zeigt für mich, wie schwierig es ist, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, wenn anschließend hauptsächlich ein Weiter so vermittelt wird.
Das bedeutet keineswegs, rechtsextreme Positionen zu relativieren. Aber nicht jeder AfD-Wähler beschäftigt sich intensiv mit dem gesamten Parteiprogramm oder dessen Konsequenzen. Gerade deshalb hätte ich mir eine noch differenziertere Betrachtung der verschiedenen Gründe gewünscht, warum Menschen bei dieser Partei ihr Kreuz machen.
Das Buch ließ sich für mich sehr flüssig lesen und war durchgehend interessant.
Was mich außerdem gewundert hat: Das Buch enthält kein Literatur- oder Quellenverzeichnis. Gerade bei einem Buch, das politische Entwicklungen analysiert, Zusammenhänge herstellt und mit zahlreichen Fakten argumentiert, hätte ich gern nachvollziehen können, auf welche Quellen sich der Autor stützt. Das hat mir tatsächlich gefehlt.
Alles in allem ein wichtiges und aufrüttelndes Buch, das viele richtige Fragen stellt und zum Nachdenken anregt, mir in seiner Ursachenanalyse aber stellenweise zu einseitig bleibt. Für mich 3,5 Sterne mit Tendenz zu 4.