Stilistisch und handwerklich absolut gelungen, aber der durchgängige Bewusstseinsstrom macht das Ganze auch sehr anstrengend.
Es ist ein besonderer Tag im Leben der zweiundfünfzigjährigen Clarissa Dalloway: Die Gattin eines Parlamentsabgeordneten will am Abend eine ihrer berühmten Upper-class-Partys geben. Der Tag vergeht mit Vorbereitungen, zufälligen Begegnungen mit Jugendfreunden, Konversation, nostalgischen Betrachtungen, Sinneseindrücken beim Flanieren ... Ein besonderer Tag soll es - aus ganz anderen Gründen freilich - auch für Septimus Smith werden. Auch ihn, den Kriegsheimkehrer, beschäftigt die Gegenwärtigkeit des Vergangenen in jedem einzelnen Augenblick.Was für ein Buch!"Mrs. Dalloway" ist im Grunde ein nicht endender Bewusstseinsstrom, bei dem wir allerdings ständig von Figur zu Figur springen wie bei einem Stadtspaziergang und wo Gedanken, Gefühle oder auch Sinneseindrücke ganz unterschiedlicher Figuren auf uns einprasseln.Ich hatte teilweise wirklich meine Probleme dabei, hier hinterher zu kommen, weil es ziemlich beliebig wirkt, wem wir nun folgen und das Ganze auch schon mal nur ein bis zwei Sätze sein können, bevor wir schon wieder in die nächste Figur wechseln und zwischendurch immer wieder bei Clarissa Dalloway oder Septimus und seiner Frau landen.Gerade die Zeit, die wir mit Clarissa verbringen, konnte mich dabei immer schnell fesseln, aber im Großen und Ganzen empfand ich das Buch doch als sehr anstrengend, weil es sich so angefühlt hat, als würden wir ständig von einer Person zur nächsten weitergetrieben ohne echte Erholungspausen.Zudem ist dieser innere Dauermonolog auch nicht immer klar verständlich, weil uns teilweise nur irgendwelche Sinneseindrücke oder Gedankenfetzen präsentiert werden und gar nicht wirklich deutlich wird, was in dieser Figur gerade vor sich geht (geschweige denn, wer diese Figur überhaupt ist), bevor wir schon wieder weiter ziehen.Was wir mit Septimus durchleben, war zudem unerwartet schockierend (Spoiler: es endet in Selbstmord). Hier war die Innensicht teilweise wirklich schwer auszuhalten.Zwar ist das Ganze handwerklich wirklich sehr gelungen, aber für mich war das zum Lesezeitpunkt nicht ganz das Richtige, sodass ich es hauptsächlich als sehr anstrengend empfunden habe.Fazit: Ein durchgängiger Bewusstseinsstrom bei dem wir von Figur zu Figur springen wie bei einem Stadtspaziergang und bei dem uns die verschiedensten Inneneinsichten präsentiert werden. Mal fesselnd, mal zäh, mal ausschweifend, mal schwer auszuhalten und vor allem meist sehr anstrengend. Handwerklich und stilistisch jedoch sehr gelungen, aber sicherlich nicht für jede:n etwas.