Falsch etikettiert, aber trotzdem unterhaltsam.
Details:Ausgabe:TaschenbuchErscheinungsdatum:02.03.2026Verlag:KnaurGenre:Autobiografische Erzählung / HumorSeitenanzahl:218Inhalt:Parshad Esmaeili nimmt die Leser mit in ihre Welt. Anders als es der Titel oder der Klappentext vielleicht suggerieren, erwartet einen hier keine streng chronologische Aufarbeitung einer Kindheit. Vielmehr ist es eine lose Sammlung verschiedener Geschichten und Episoden aus ihrem Leben - von der Kindheit bis ins Heute. Der rote Faden, der all diese Anekdoten zusammenhält, ist die grundlegende Tatsache: Sie ist eine Frau, die von ihrer Mutter alleinerzogen wurde, geprägt von den Herausforderungen, der Einsamkeit und den transgenerationalen Themen, die ein solches Familiensystem mit sich bringt.Wie das Buch zu mir gefunden hat:Ich habe das Buch mehrmals im Buchladen gesehen und fühlte mich fast schon magisch davon angezogen. Als es dann in der Stadtbibliothek plötzlich direkt vor mir im Regal stand - obwohl ich eigentlich dort war, um gezielt ein völlig anderes Buch auszuleihen -, konnte ich nicht anders und musste es einfach mitnehmen...Meinung:Achtung! Spoiler enthalten.Um ehrlich zu sein: Beim Lesen des Intros hatte ich bereits die erste kleine Krise. Der Schreibstil war anfangs eine wilde Mischung aus modernem Slang und"wie die Leute heutzutage eben sprechen", bei dem ich nur dachte:*Wenn das ganze Buch in dieser Art geschrieben ist, kann und werde ich das nicht lesen.*Zum Glück hat sich das relativ schnell gelegt, der Text wechselte in ein Deutsch, das ich flüssig lesen konnte, und ich war bereit, in ihr Leben einzutauchen.Allerdings muss ich sagen, dass ich mir unter dem Titel und den abgedruckten Rezensenten-Zitaten auf dem Cover und co. etwas anderes vorgestellt hatte. Die Etikettierung "Monologe einer Alleinerzogenen" trifft hier für mich nur bedingt zu. Wer eine tiefe, chronologische Storyline oder eine strukturierte Aufarbeitung der Kindheit erwartet, wird vielleicht enttäuscht. Es ist vielmehr ein anekdotisches Springen durch verschiedene Phasen ihres Lebens. Ich verstehe zwar das große Ganze und worauf die Autorin hinauswollte, aber die Vermarktung weckt hier eventuell falsche Erwartungen. Nichtsdestotrotz: Wenn man das Buch einfach für sich als Sammlung persönlicher Lebensgeschichten betrachtet, ist es durchaus unterhaltsam zu lesen. Die Tampon-Geschichte hat dem Buch den vierten Stern eingebracht, ansonsten wäre es tatsächlich für mich eher im dreier Bereich gewesen. Fazit:Ein Buch, das mit kleinen Startschwierigkeiten beim Schreibstil und einer etwas irreführenden Vermarktung zu kämpfen hat, aber als unterhaltsame, episodische Lektüre für zwischendurch durchaus funktioniert. Ein "Must-Read" ist es für mich jedoch nicht und wird daher auch nicht zu meinen Lieblingsbüchern zählen.Empfehlung:TriggerwarnungDieses Buch enthält Schilderungen von Einsamkeit, unberechenbarem/aggressivem Verhalten eines Elternteils, transgenerationalem Trauma, sowie politischer Verfolgung und Exilschmerz.Ich spreche hier primär eine Leseempfehlung für Fans der Autorin aus. Man kann es sich durchaus aus der Bibliothek ausleihen und lesen, aber eine unbedingte Kaufempfehlung würde ich persönlich nicht aussprechen.