Viel Gewalt, wenig Psychothriller ¿ leider nicht mein Happy Weekend
"Happy Weekend" war mein erstes Buch von Arno Strobel - und ehrlich gesagt bin ich mit ziemlich gemischten Gefühlen aus diesem Wochenende wieder herausgekommen ...Schon optisch hatte das Buch meine Aufmerksamkeit: Cover, Titel und auch der Klappentext haben mich direkt angesprochen. Die Ausgangssituation klang nach einem richtig spannenden Psychothriller: Katja und Marcel wollen eigentlich nur ein entspanntes verlängertes Wochenende verbringen, doch nachdem ihr Gepäck an einer Raststätte gestohlen wird, verfolgen sie mithilfe eines GPS-Trackers die Spur - und landen damit mitten in einem Albtraum ...Auch der Schreibstil hat mir grundsätzlich gut gefallen. Er war angenehm und flüssig zu lesen, sodass ich trotz meiner Kritikpunkte relativ schnell durch die Geschichte gekommen bin.Mein größtes Problem war die Art, wie die Geschichte ihre Spannung erzeugt. Für mich bestand sie über weite Strecken vor allem aus einer Aneinanderreihung von teilweise extrem brutalen Gewaltsituationen. Es wird gefoltert, getötet und gelitten - und irgendwann war mir das einfach zu viel.Dabei hatte ich etwas anderes erwartet. Bei einem als Psychothriller angekündigten Buch hätte ich mir deutlich mehr psychologische Spannung, Hintergründe und ein stärkeres Spiel mit den Gedanken und Motiven der Figuren gewünscht. Stattdessen hatte ich phasenweise eher das Gefühl, von einer brutalen Szene zur nächsten geführt zu werden. Die Härte der Handlung steht dadurch für mich teilweise stärker im Vordergrund als der eigentliche Thriller-Aspekt.Spannung kam durchaus immer wieder auf, gerade wenn sich neue Fragen ergeben haben oder man wissen wollte, wie die Situation für Marcel und Katja weitergeht. Allerdings konnte der Spannungsbogen für mich nicht konstant gehalten werden. Zwischen den spannenderen Momenten gab es immer wieder Passagen, die mich weniger gepackt haben.Besonders schade fand ich außerdem, dass mir Marcel als Protagonist nicht genügend Tiefe bekommen hat. Seine Vergangenheit ist für die Handlung offensichtlich entscheidend und gerade dazu hätte ich mir wesentlich mehr Informationen gewünscht. Wer war Marcel früher wirklich? Was genau ist passiert? Was hat ihn geprägt? Und warum ist diese Vergangenheit so folgenschwer? Für mich blieben hier zu viele Dinge zu lange im Dunkeln, ohne dass daraus die gewünschte psychologische Spannung entstanden ist.Und auch beim Ende konnte mich die Geschichte leider nicht mehr komplett überraschen. Ab einem gewissen Punkt hatte ich eine ziemlich klare Ahnung, in welche Richtung die Auflösung gehen würde. Dadurch verpuffte für mich ein Teil des eigentlich erhofften "Wow"-Moments.Unterm Strich hatte "Happy Weekend" für mich definitiv Potenzial. Der interessante Ausgangspunkt und der flüssige Schreibstil haben dafür gesorgt, dass ich das Buch trotzdem gerne weitergelesen habe. Die extreme Brutalität, der für mich nicht konstant funktionierende Spannungsbogen und die fehlende Tiefe rund um Marcels Vergangenheit haben mich allerdings deutlich mehr gestört, als dass mich die Geschichte wirklich fesseln konnte.