Violetta Morgenstern, Vollstreckerin im Staatsdienst, hat gerade ihren neuesten Auftrag auf höchst kreative Weise gemeuchelt. Jetzt ist sie erschöpft und benötigt dringend eine Pause. Doch statt im sonnigen Gozo landet die ehemalige Lehrerin mitten in einer Entführung. Sie verspürt Mitleid mit dem jungen Opfer Lotta und sorgt deshalb dafür, dass die Täter sie ebenfalls verschleppen. Die Kidnapper haben nicht die geringste Ahnung, wer die harmlose Alte ist, die sie da mitnehmen.
Marcel Huwyler schickt Frau Morgenstern, eine Auftragsmörderin im Dienst des Schweizer Geheimministeriums "Tell" in ihr 8. Abenteuer. Dieses Mal geht sie nur kurzzeitig ihrem Job nach. Danach entschließt sie sich zu einer guten Tat, die ihr viel abverlangt und mich spannend unterhalten hat.
Während ihr Kollege Miguel Violetta im Urlaub wähnt, sammelt diese eifrig Fakten über die vier Entführer. Schnell wird ihr klar, dass hier Profis am Werk sind. Aber warum entführen erfahrene Kidnapper eine unbekannte Umweltaktivistin, deren Vater ein mittelloser Alkoholiker ist? Während die beiden Geiseln sich allmählich anfreunden und Fluchtpläne schmieden, wird Miguel nach ein paar Tagen klar, dass Violetta nie auf Gozo angekommen ist. Umgehend macht er sich auf die Suche nach ihr, dem Omistern seiner Zwillinge. Mithilfe von Violettas Lover Maurice und Kosmos-Kora, "Tells" Fachfrau für Satellitenüberwachung, kommt er den Entführern tatsächlich auf die Spur.
Violetta ist eine ungewöhnliche Protagonistin. Die ehemalige Lehrerin hat schon für Gerechtigkeit in ihrem Sinn gesorgt, bevor sie von "Tell" rekrutiert wurde. Die tatkräftige Mischung aus Assassine und Miss Marple nutzt gekonnt den Vorteil, den ihr Alter bietet. Sie wird chronisch unterschätzt. Einmal mehr zeigt sich, wie taff und flexibel sie tatsächlich ist. Auf ihre kleine Wahlfamilie kann sie sich zudem jederzeit verlassen. Miguel Schlunegger wird als allein erziehender Vater von 5-jährigen Zwillingen stark gefordert. Deshalb teilt er sich mit Violetta eine Stelle bei "Tell". Er nimmt seine Vaterrolle sehr ernst und bereitet seine Mädels auf das Leben vor. Dabei spielt der Experimentalbaukasten "The little terrorist" eine wichtige pädagogische Rolle von der auch Violetta profitiert.
In einem zweiten Handlungsstrang begegnen wir einem einflussreichen Mann, dessen Urteil maßgeblich darüber mitentscheidet, ob in der Tiefsee Manganknollen abgebaut werden. Wohlstand für arme Inselbewohner contra schwere Umweltschäden. Wie wird die Entscheidung lauten?
Schweizer Lokalkolorit und schwarzer Humor prägen Huwylers Morgensternkrimis. Daneben kommt das Verbrechen und Violettas Sicht der Welt nicht zu kurz. Wie mit ihr und Lotta zwei Welten aufeinander prallen, war amüsant zu lesen. Aber auch die Tricks und Kombinationsgabe der älteren Dame sind beeindruckend z. B. wofür sie Bleistifte oder Mehl nutzt. Für Spannung ist jedenfalls gesorgt und es hat mich nicht überrascht, dass die Kidnapper einen Riesenfehler gemacht haben als sie "die Alte" mit entführten.
"Frau Morgenstern und die Entführung" hat mich kurzweilig unterhalten und ist auch für Quereinsteiger geeignet. Ich freue mich schon sehr auf Violettas nächsten Fall. Außerdem bin ich gespannt, wie Miguels Date mit Kosmos-Kora verlaufen ist.
4,5 Sterne