Die sogenannte Brandmauer ist zu einem der prägendsten Bilder der deutschen Parteienpolitik geworden. Sie beschreibt eine Grenze, die nicht im Grundgesetz steht und dennoch reale Folgen für Koalitionen, Abstimmungen, Personalentscheidungen und die politische Sprache hat. Dieses Buch untersucht diese Grenze nicht als Schlagwort, sondern als demokratisches Problem mit mehreren Seiten.
Der Titel - Die Leiter über die Brandmauer - ist bewusst provokativ, aber nicht als Aufruf zu einer bestimmten Koalition gemeint. Die Leiter steht für ein Verfahren, mit dem demokratische Politik zwischen notwendiger Abgrenzung und sachbezogener parlamentarischer Arbeit unterscheiden kann. Eine Demokratie braucht Schutz vor ihren Feinden; sie braucht aber ebenso Regeln, die verhindern, dass politische Konkurrenz allein durch moralische Etiketten ersetzt wird.
Die Untersuchung folgt deshalb drei Perspektiven: dem Ist-Zustand, den konkurrierenden Deutungen und den möglichen Reformen. Wo politische Bewertungen umstritten sind, werden Gegenargumente ausdrücklich einbezogen. Maßstab bleiben Menschenwürde, Demokratie, Rechtsstaat, Gewaltfreiheit, freie Wahlen und die Möglichkeit des friedlichen Machtwechsels.