Ein Buch mit Tiefgang. Schlichte Sprache wird zur Weltliteratur!
"Der Fremde" ist kein Buch, das man einfach "wegliest". Es ist eines, das man mit sich herumträgt. Aktuell läuft die neue Verfilmung aus dem Jahr 2025 in einigen Kinos.Meursault, der Protagonist der um die dreißig Jahre alt ist, wirkt auf den ersten Blick erschreckend gleichgültig: Er weint nicht bei der Beerdigung seiner Mutter, liebt ohne Leidenschaft, und begeht schließlich einen Mord, der eher aus Zufall als aus Absicht entsteht. Doch gerade diese scheinbare Gefühllosigkeit macht ihn so faszinierend ¿ und verstörend.Camus zeigt hier keinen Bösewicht, sondern einen Menschen, der außerhalb gesellschaftlicher Erwartungen lebt. Meursault fühlt durchaus, aber nicht so, wie wir es für "richtig" halten. Vor Gericht wird er deshalb weniger für den Mord verurteilt als für seine Abweichung von den Normen: für seine fehlende Trauer, seine Direktheit, seine Weigerung, eine Rolle zu spielen.Besonders beeindruckt hat mich die schlichte, klare Sprache des Romans. Sie zwingt einen, genau hinzusehen ¿ auf das, was gesagt wird, und vor allem auf das, was unausgesprochen bleibt. Der Roman ist in zwei Teile gegliedert: das Leben vor dem Mord und das Leben danach. In beiden zeigt sich dieselbe bittere Wahrheit: Der Mensch ist der Welt fremd, und die Welt ihm.Was mich am meisten erschüttert hat: Meursault ist kein Monster. Er ist ein ganz normaler Mensch ¿ und genau darin liegt die beunruhigende Kraft dieses Klassikers.Auch wenn "Der Fremde" von 1942 stammt, fühlt er sich erstaunlich modern an. Fragen nach Moral, Freiheit, Schuld und Sinn sind heute genauso aktuell wie damals. Gerade für Leser:innen, die sonst vor allem zeitgenössische Literatur lesen, lohnt sich dieser Ausflug in die Klassik.Fazit: Kein Wohlfühlbuch ¿ aber ein kluges, kompromissloses und nachhaltig nachhallendes Werk, das man mehr als einmal lesen kann. Die gut 150 Seiten sind echte Literatur!