Gut ausgearbeitete Atmosphäre, mit unglaubwürdigen Wendungen
Das Setting auf einer schottischen Insel, gepaart mit einem Vermisstenfall, klang nach meinem Beuteschema, und so zog "Nebelinsel" von Alice Feeney, erschienen bei Heyne, bei mir ein. Alice Feeney kann schreiben, dies möchte ich vorweg betonen, auch wenn sie mich nicht komplett mit diesem Werk überzeugen konnte. Die Atmosphäre auf der abgelegenen schottischen Insel konnte ich vor meinem inneren Auge sehen. Der Nebel, der Regen und das Meer waren plastisch und real. Die von der Autorin gewünschte mystische Spannung wurde dadurch gut transportiert, jedoch nicht stringent durchgezogen. Des Weiteren schloss ich den Hund Columbo von Grady Green ins Herz. Nur leider konnte ich sonst zu den Protagonisten keine Bindung aufbauen. Grady Greens Selbstmitleid suhlte sich von Seite zu Seite, und sein Gejammere ging mir immer mehr auf die Nerven. Gebetsmühlenartig wiederholten sich seine Gedanken und Gefühle, allerdings machte dies den Protagonisten immer unsympathischer. Allerdings muss man Protagonisten nicht mögen, um ihnen durch eine Storyline zu folgen. Doch leider fiel der Spannungsbogen immer wieder komplett in sich zusammen, da es zu extremen Längen im Storytelling kam.Schade war auch, dass ich fast von Anfang an wusste, in welche Richtung sich der Plot entwickeln würde. Es gab keine falschen Fährten, denen ich folgen konnte; dafür lese ich aber so gerne Thriller. Die Auflösung und das Ende haben mich sehr enttäuscht, denn sie wirkten komplett konstruiert und an den Haaren herbeigezogen.Mein Fazit: Ein Buch, das man lesen kann, aber definitiv nicht lesen muss. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung! Ich habe auch schon positive Stimmen gehört und hoffe, ihr nehmt es mir nicht krumm. Alice Feeney und ich waren hier nun mal kein perfect Match. Von mir gibt es sehr durchwachsene drei von fünf Sternen, die lediglich durch die Atmosphäre des Buches und Columbo in positiver Erinnerung bleiben.