Ungewöhnlicher Erzählstil. Trotzdem gab es offene Fragen, es kam genug Spannung auf. Neben Längen wurde ich am Ende definitiv gekriegt.
Die Serienkiller-Trilogie von Alice Hunter habe ich erstmal gehortet und anderen zu lesen gegeben, ehe ich dann selbst doch nun endlich bei "Die Frau des Serienkillers" zugegriffen habe. Es ist immer schwierig, wenn man so spät auf einen Zug aufspringt und so viel über eine Reihe gehört hat und weiß hier eine Wendung, dort eine Wendung. Und dennoch wollte ich jetzt mal selbst schauen, was ich von dem Auftakt der Trilogie halte."Die Frau des Serienkillers" arbeitet mit einem eher selteneren Stil. Einen Teil haben wir als gegeben, dafür sind andere Aspekte noch völlig unklar. Hier wissen wir, dass Tom tatsächlich ein (Serien-)Killer ist. Offen ist aber, was Beth weiß, ob es noch weitere Mysterien gibt und ob Tom alles so gedreht bekommt, dass er als freier Mann rauskommt. Das ist schon eher ungewöhnlich, eröffnet aber natürlich auch andere Möglichkeiten. Die Kapitel aus Toms Sicht sind deutlich seltener, aber sie geben doch nach und nach mehr Einblicke in seine Psyche. Das funktioniert natürlich nur so gut, weil wir wissen, wer er ist. Besonders aussagekräftig waren aber auch die Rückblicke in die gemeinsame Geschichte von Katie (Freundin vor Beth) und Tom. Es war schon krass, die beiden Perspektiven direkt hintereinander zu haben, um die riesigen Unterschiede wahrzunehmen. Was mir in Bezug auf Tom gefehlt hat, das war ein wenig die Perspektive, was bei Beth anders war. Ich konnte natürlich Vermutungen anstellen, aber es wäre doch gut gewesen, es mal von Tom konkret kommentiert zu hören.In der ganzen Stilistik des Buchs muss ich auch sagen, dass es mir sehr schwer fiel, Sympathien zu entwickeln, mit egal welchem Charakter. Tom ist eh klar, aber auch Beth als titelgebende Figur war niemand, mit der ich besonders mitfühlen konnte, obwohl sie natürlich in eine Ausnahmesituation geworfen wurde, die man niemandem wünscht. Aber man hat ihr immer eine gewisse kalkulierende Seite angemerkt. Ich kenne das von mir selbst, wenn der Verstand lauter als das Herz ist, dass im Moment fühlen schwieriger ist, aber es gab mehrere Situationen, in denen Beth bewusst ¿falsche' Emotionen eingesetzt hat, um für sich Mitgefühl zu erzeugen. Und es war schon verdammt schwierig, das einzuschätzen. Gleichzeitig habe ich auch gemerkt, dass Charaktere wie Julia und Adam von mir eine gehörige Portion Skepsis abbekommen haben. Das machen solche Bücher schnell schon mal mit einem, dass man niemandem mehr vertrauen kann, gerade wenn man weiß, dass es Wendungen geben wird und die könnte man jedem zutrauen.Dementsprechend war die Mischung aus Spannung, Skepsis und wenig Identifikation ein durchgehendes Muster, was für mich das Buch nicht zu einer Spitzenlektüre werden lassen konnte, was mich aber trotzdem mit den Facetten an der Stange gehalten hat. Das Bedürfnis durchzulesen, wurde gefördert, das definitiv. Letztlich muss ich auch sagen, dass mich die Wendung am Ende doch überrascht hat. Hunter hat genug falsche Fährten erzeugt und Ablenkungen geschaffen. Vielleicht ist der Klappentext ein bisschen zu verratend geraten, wenn ich mir das im Rückblick durch den Kopf gehen lasse, aber ich habe mir dabei nicht zu viel gedacht und deswegen kam für mich alles überraschend. Damit wurde die Mission erfüllt. Aber einige Passagen zwischendurch waren zu langatmig, gerade wenn wir zu eng an Beth klebten.Fazit: "Die Frau des Serienkillers" hat schon im Genre einen ganz eigenen Stil entwickelt, was positiv ist. Die Kenntnis des Killers erlaub mehr Psychologisches, aber natürlich geht auch etwas an Spannung für manches weg. Andere Aspekte waren aber offen und ich wurde letztlich reingelegt. Insgesamt aber ein Stil, der sich selbst auch Fallen gestellt hat, die mal besser und mal schlechter umkurvt wurden. Ich bin jetzt aber gespannt, wie die anderen beiden Bände gestaltet sind.